Etzed machet mor au mal a richtigs Marketing

Aktuell wird aus gutem Grunde die Arbeit der sportlichen Führung beim VfB gelobt. Sowohl Jan Schindelmeiser und Team im strategischen Bereich als auch Hannes Wolf mit seinem Team machen derzeit eine mehr als guten Eindruck und werden durch die Spielergebnisse bestätigt. Man hat nach gefühlten Jahrzehnten endlich mal wieder den Eindruck, dass hier planvoll und mit Verstand agiert wird. Etwas weniger im Rampenlicht steht dafür aber der Bereich Marketing unter Jochen Röttgermann, der in den letzten Monaten allerdings durchaus auch eine Entwicklung durchgemacht hat. Um eine Auswahl dieser Aktivitäten soll es hier gehen.

Wahrscheinlich kennt jeder mittlerweile den folgenden YouTube-Klassiker und so, oder so ähnlich, muss irgendwann auch mal eine Diskussion beim VfB abgelaufen sein. Auch wenn das Thema „Virales Marketing“ an sich heute sicherlich nicht mehr der „heiße Scheiß“ ist, so stand auch der VfB irgendwann vor der Entscheidung, dass Thema Marketing endlich mal mit mehr Engagement anzugehen. Schließlich müssen mit dem Abstieg in die 2. Bundeliga auch finanzielle Einbußen kompensiert werden.

Die Webpräsenz
Endlich, endlich hat der VfB nun nach Jahren zunächst den Onlineshop und kürzlich dann auch die Website einem Relaunch unterzogen. Dies Seite ist nun voll responsive und wird so auf unterschiedlichen Gerätetypen vom Smartphone bis zum Fernseher passend dargestellt. Leider ist damit aber auch beim Design der Seite zu sehr auf die technischen Notwendigkeiten eingegangen worden (hier v.a. rasterartige Anordnung der Elemente). Die Kreativität ist dabei aber auf der Strecke geblieben. Aber nicht nur das gibt es aus meiner Sicht zu kritisieren (und dabei will ich nicht zu sehr ins Detail gehen):

  • Die Website und der Shop sehen unterschiedlich aus. Schöner wäre es doch, wenn man sich als Nutzer zumindest optisch nur in einer Welt bewegen würde. Positiv: Der Login funktioniert übergreifend.
  • Die Startseite von vfb.de ist viel zu voll: News, Termine, Data-Center, Hinweise auf Partner (2x!), Newsletter-Anmeldung, Shop-Highlights, Social Wall und und und und … Wer soll das alles lesen? Ich würde mal hoffen, dass hier irgendwann noch eine Personalisierung greift. Ein entsprechendes Tool ist mit Econda ja bereits eingebunden.
  • Zuletzt: Der stehenbleibende Brustring im Hintergrund irritiert mich kolossal. Insbesondere dann, wenn er bei sonst weißem Hintergrund einen Schatten auf den Inhalten hinterlässt (siehe zum Beispiel die Headline „Neues“, ggf. Bild per Klick vergrößern).

Screenshot der Website

Content Marketing
Die wohl größte Veränderung ist für mich aber, dass sich auch der VfB nun dem noch relativ jungen Thema „Content Marketing“ angenommen hat. Das heißt, dass zu einer Marketing-Aktion auch immer eine Geschichte erzählt werden soll. Drei Beispiele:

  • Schießt Simon Terrode in einem Spiel drei Tore, wird der für kurze Zeit der Pflock mit seinem Namen und Rückennummer billiger oder ist gratis
  • Die einzelnen Spieltage werden nun mit auf den Gegner zugeschnittenen kurzen Sprüchen/Bonmonts begeleitet (das Spiel gegen den FCK wird zum Beispiel mit „Teuflische Pläne“ umschrieben). Ob diese Textideen immer so zielsicher sind, kann sicherlich diskutiert werden …
  • Die Mode-Kollektionen sind mittlerweile oft auch thematisch abgestimmt und transportieren so die „Geschichte“ (zum Beispiel die „Württemberg-Kollektion“)

Ich persönlich finde diesen Ansatz spannend, auch wenn mich sicherlich nicht alles anspricht. Grundsätzlich nimmt man so aber Themen mit, die im besten Falle emotional positiv aufgeladen sind (zum Beispiel Siege oder außergewöhnliche Spielsituationen) und in der Folge die Kaufwahrscheinlichkeit beim geneigten Fan erhöhen. Im Sinne der Erwirtschaftung von Geldmitteln ist dies wahrscheinlich erfolgsversprechend, es muss aber auch darauf geachtet werden, hier den Bogen nicht zu überspannen.

Einbeziehung der Mitglieder
Im vergangenen Jahr wurde im Rahmen der Diskussion um die Ausgliederung eine Reihe gestartet, die Vereinsmitgliedern die Teilnahme an besonderen Terminen ermöglichte. Dies waren zum Beispiel die Regionalversammlungen und die Zukunftswerkstatt. Ich persönlich habe in diesem Rahmen mehrere Veranstaltungen besucht und war tatsächlich auch sehr positiv von der Atmosphäre und den Inhalten angetan. Ein weiteres, aktuellers Beispiel für die Involvierung der Mitglieder war die Aktion zur Gestaltung des Jubiläumstrikots für die Saison 18/19. Natürlich können und sollen solche Termine auch ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein erzeugen. Aber am Ende ist dies natürlich auch eine weitere Form des Marketings. In dem man Mitglieder auf diese Weise abholt, macht man sie auch mit einiger Wahrscheinlichkeit zu „Markenbotschaftern“ für den Verein. Diese Botschafter wirken dann wiederum als Multiplikatoren in ihrem Umfeld und erhöhen somit die Reichweite der Botschaft.

Fazit
Im Bereich Marketing hat der Verein mit Jochen Röttgermann spürbar etwas vorangebracht. Es gibt einige vielversprechende Ansätze, bei anderem sollte der Weg noch weiter gehen. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Kosten für diese Marketing-Aktionen auf das Ergebnis auswirken (ich würde es sehr begrüßen, wenn dies auf der nächsten Mitgliederversammlung aufgeschlüsselt werden könnte), hoffe aber, dass damit das Ziel der Umsatzsteigerung aber auch der Vergrößerung der Fanbasis erreicht wird.

In der nächsten Folgen: „Kerle, etzed schaff mol gscheide Server fürs Ticketing noh„.