Eigentor

Nun ist er also weg, der Kevin und der VfB findet auf den Social Media-Kanälen wieder (nur) im Rahmen des Erwartbaren statt (Bilder vom Training, Bilder vom Spiel, Bilder aus der Kabine, Bilder von Shop-Angeboten und ab und zu mal Spieler in hippen Klamotten oder an coolen Places).

Mit der sich entwickelnden Nachrichtenlage (die seeeehr lange mehr als dürftig war – und eigentlich auch noch ist!) hatte sich bei mir zunehmend ein Gefühl der Unwirklichkeit eingestellt. Kulminiert ist das ganze dann am Freitag in der offiziellen Mitteilung, dass Verein und Spieler sich einvernehmlich getrennt haben. Sehr bitter!

Zunächst mal rechne ich es Kevin Großkreutz hoch an, dass er persönlich ein Statement vor der Kamera abgegeben hat. Ich glaube, dass sich nicht viele in einer solchen Situation in die Öffentlichkeit getraut hätten. Respekt! Auch nehme ich ihm die Tränen tatsächlich ab. Da ist jemand mit Emotionen bei seinem Beruf und sieht nun alles den Bach runter gehen (inkl. der Karriere als Profifussballer). Auch wenn er seinen Anteil an der Sache hat, angegriffen hat ihn dies nachvollziehbarer Weise auf jeden Fall. Ihm persönlich kann man mit seiner jungen Familie nur wünschen, dass möglichst schnell Ruhe einkehrt!

Und der Verein? Hat der VfB richtig gehandelt oder ist man hier weit über das Ziel hinausgeschossen? Schwer zu sagen, denn man weiß einfach zu wenig über die Hintergründe. Sollte die bisher im Umlauf befindlichen Informationen aber wahr sein (Alkohol, Party mit minderjährigen Jugendspielern, evtl. Bordellbesuch), dann hat der Verein als Arbeitgeber absolut richtig gehandelt. Mann stelle sich mal vor, in irgendeiner beliebigen Firma würde ein Mitarbeiter mit den Auszubildenden auf Sauftour gehen und dann in eine Prügelei geraten. Was wäre dann los? Ist es nicht auch die Pflicht eines Arbeitgebers, hier ein eindeutiges Signal zu senden?
Dazu kommt noch, dass Kevin Großkreutz in dieser Konstellation und auch von seiner Person her noch eine viel größere Vorbildfunktion hat, als der im Beispiel genannte Arbeitnehmer. Im sportlichen Umfeld eines Vereins gelten nun mal noch verschärftere Regeln – eben weil es um den Sport und die vielen damit verbundenen positiven Aspekte geht. Außerdem muss auch einem erwachsenen Menschen wie Kevin Großkreutz bewußt sein, welche Folgen dieses Handeln für den ganzen Verein und auch unmittelbar für die Mannschaft vor der anstehenden Aufgaben haben muss.

Man könnte an dieser Stelle auch noch ausführlich über die Mechanismen schreiben, die dieser Vorfall in Bezug auf die Medien und Social Media (das ist nicht das gleich!) in Gang gesetzt hat. Da wurden auch bei unklarer Sachlage Vorverurteilungen getroffen, Bilder aus dem Krankenhaus auf Titelseiten ausgebreitet und generell viel spekuliert. Sicher: aus Sicht der Medien – die ja händeringend Klicks generieren müssen – war das ein gefundenes Fressen. War Kevin Großkreutz schon in guten Zeiten immer wieder für eine Meldung gut, so haben sich die Redaktionen mit diesem Skandal sicherlich vor Freude kaum noch eingekriegt . Mich persönlich ärgert tatsächlich am Ende an dieser Sache aber auch, dass zum Beispiel eine große deutsche Boulevardzeitung mit ihrer Meldung recht behalten hat.

Es bleibt nun nur zu hoffen, dass die Mannschaft diese Vorkommnisse möglichst schnell abschütteln und sich auf das so wichtige Spiel gegen Braunschweig konzentrieren kann! Denn für den Verein, die Fans und auch Kevin geht das Leben weiter.

Abschließend: Danke Kevin, dass Du dich in der Zeit beim VfB immer voll reingehängt hast. Dass Du deine Gesundheit riskiert hast, um den Abstieg noch abzuwenden und dass Du dem Verein auch in der 2. Bundesliga treu geblieben bist. Du hast Ecken und Kanten, die manchmal schlicht und einfach in der heutigen Zeit gut tun. Mach´s gut!