Mit bangem Blick nach Übermorgen

Am Wochenende ist eine lange Serien von nicht verlorenen Spielen in der Rückrunde gerissen. Nach zuvor zwei Unentschieden hat der VfB nun sein Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth verloren und damit nur noch zwei Punkte auf den nächsten Verfolger Union Berlin (der mit einem Sieg im Montagabend-Spiel noch auf Platz 1 vordringen kann). Natürlich war zu erwarten, dass der VfB auch irgendwann wieder mal verlieren würde und sicherlich ist es besser, nicht gegen einen unmittelbaren Konkurrenten zu verlieren. Wahr ist aber auch, dass der zuvor komfortable Vorsprung nun mindestens geschmolzen oder sogar ganz aufgebraucht ist. Und was die meisten nun mit Sorge erfüllt ist die Art und Weise, wie der VfB v.a. im letzten Spiel aufgetreten ist. Viele fühlen sich da nicht zu unrecht an die unsägliche Rückrunde der letzten Saison in der 1. Bundesliga zurückerinnert.

Klar ist: Die Mannschaft und das Trainerteam müssen nun nach der Länderspielpause liefern! In diesen Tagen muss der Schlendrian abgeschüttelt werden und sich das Team wieder auf die eigenen Stärken besinnen. Das gilt sowohl spielerisch (unter 100% Leistung geht es nun mal nicht) als auch taktisch. Ich persönlich bin derzeit noch guten Mutes, dass der direkte Aufstieg (ohne Relegation) gelingen wird. Die Klasse beim VfB ist da und auch die anderen Mannschaften spielen jetzt auch keine wahnsinnig tollen Spiele, auch da sind Punktverluste immer drin. Und ich traue auch dem jetzt zuständigen Team aus Trainern und Sportvorstand zu, dies bewerkstelligen zu können (nicht so wie die Verantwortlichen vor einem Jahr).

Was mich viel mehr besorgt sind die Aussichten für die nächste Saison (dann hoffentlich in der 1. BL). Denn wie soll die Mannschaft des VfB unter den höheren Anforderungen an spielerischer Qualität und auch Tempo bestehen können? Wenn man sich nur die Spiele der Rückrunde anschaut, dann waren das fast ausschließlich sehr knappe Siege oder eben die Unentschieden bzw. die Niederlage. Man kann kaum sagen, dass der VfB jetzt besonders überlegen aufgetreten ist und die Gegener an die Wand gespielt hat. Oftmals ging das nur über den Kampf, der zwar egal für welche Liga extrem wichtig ist, aber nun mal im Oberhaus nicht alleine aussreichen wird. Ich bin in diesem Zusammenhang sehr gespannt, wie in der Pause das Trainingsspiel gegen Ingolstadt laufen wird, denn das sind Gegener, mit denen sich der VfB in der kommenden Saison messen muss (und wahrscheinlich auch direkte Konkurenten um den Klassenerhalt).

Die individuelle Klasse des VfB Stuttgart wieder immer wieder hervorgehoben (siehe auch ein paar Zeilen zuvor). Und ja, wir haben wirklich tolle Spieler in unseren Reihen, die durchaus den Unterschied machen können. Aber ist das auch so in der 1. Bundesliga? Im Spiel gegen Fürth hat man gesehen, dass die Mannschaft nicht nur nicht mit den taktischen Aufstellungen zurechtgekommen ist, sondern auch die dafür notwendige Bissigkeit hat vermissen lassen. Von einer Mannschaft mit dem Anspruch des VfB muss man hier mehr erwarten können. Ich weiß auch nicht, ob das Gerede von der „Klasse“ auch immer wieder Nebelkerzen der Gegner sind, um hier die Drucksituation vor den Spielen entsprechend zu verteilen. Und wie man sieht, kann der VfB nicht immer gut mit diesem Druck umgehen …

Es gibt viele Fragen, die vor allem Jan Schindelmeiser beantworten muss (und an denen er meinem Eindruck nach auch schon länger arbeitet): Wie sieht die Kaderplanung aus? Welche Rahmenbedingungen werden weiterentwickelt? Wie schafft man es, eine (psychisch) stabile Mannschaft aufzustellen und die vielen Schwankungen zu minimieren? Und und und …

Ja, ich weiß: Alle sollten sich zunächst auf die anstehende Aufgabe konzentrieren und einen Schritt vor dem anderen machen. Das ist auch völlig richtig, denn Arbeit gibt es ja offensichtlich genug. Und dennoch muss man mit einem Auge (und etwas bangem Blick) schon jetzt auch in die Zukunft schauen …