Was der VfB von Bayern München lernen kann

Schon vor der Saison wurde nach dem Abstieg verschiedentlich das Bild vom VfB als den „Bayern der 2. Liga“ geprägt. Mann könnte das so sehen, wenn man die wirtschaftliche Situation oder auch den Kader mit anderen Mannschaften aus dieser Liga vergleicht. Für mich hinkt dieser Vergleich am Ende aber auch deswegen, weil der VfB sich ein paar Eigenschaften der Bayern nicht zu eigen gemacht hat, die es aber vielleicht doch wert wären.

Diese Eigenschaften werden landläufig (und auch von Bayern München selbst) so gerne unter Motto „Mia san mia“ zusammengefasst. Was in diesem Satz an Positivem mitschwingt sind Selbstbewusstsein, das Vertrauen in die eigene Stärke aber auch einen hohen Anspruch an die eigene Leistung und die Ergebnisse. Sicherlich: in diesem Motto schwingt auch eine gute Portion Arroganz mit und von dieser sollte sich der VfB auf jeden Fall fern halten.

In dieser Saison wird von Seiten der Verantwortlichen des VfB gerne Zurückhaltung gepredigt, teilweise ist auch von einer gewissen Demut die Rede. Grundsätzlich finde ich das auch gar nicht falsch, denn insbesondere nach dem Abstieg und vielen Aussagen früherer Verantwortlicher in der Vergangenheit steht dies dem VfB gut zu Gesicht. Einhergehend mit einer neuen Sachlichkeit (die für mich zum Beispiel perfekt durch Jan Schindelmeiser vertreten wird), gibt der Verein so in der Öffentlichkeit ein Bild ab, dass mir angemessen erscheint.

Auf dem Platz ist das aber was anderes. Insbesondere in den letzten Spielen fehlt mir einfach dieses selbstbewusste Auftreten der Mannschaft, fehlt die spürbare Selbstverständlichkeit siegen zu wollen. Und genau das kann sich der VfB bei Bayern München abschauen. Eben weil der VfB einen sehr guten Kader hat und weil das Umfeld besser als bei den Konkurrenten ist muss die Mannschaft doch mit einer Körpersprache auf das Feld kommen, die dem Gegener von Anfang an signalisiert, dass es hier nichts zu holen gibt. Die Rückrunde zeigt ja, dass unsere Gegner in den Spielen in der Regel immer über sich hinauswachsen und teilweise die beste Leistung der Saison zeigen. Aber auch wenn der Gegner, wie zuletzt geschehen, direkt von Beginn an Gas gibt und dem VfB den Schneid abkaufen will, muss die Mannschaft dem mit dem Vertrauen in die eigenen Stärken gegenübertreten und Contra geben. Ganz klar ist es so, dass man sich aus taktischer Sicht auf den jeweiligen Gegner einstellen und auf Spielsituation reagieren muss. Und ja, man wird da nicht immer die volle Kontrolle haben können. Aber der Gegner muss auch spüren, dass das Spiel vom VfB diktiert wird und nicht umgekehrt.

Sicherlich muss man da auch vorsichtig sein! Dieses Selbstvertrauen darf nicht dazu führen, dass man jedes Spiel als Selbstläufer empfindet, dass man aufgrund der Überlegenheit schon von ganz alleine gewinnen wird. In jedem Spiel muss der Kampf angenommen und der Sieg erarbeitet werden, denn geschenkt wird einem da sicherlich nichts.

Also: Brust raus Jungs aus Cannstatt! Und keine Angst vor dem Erfolg …