Dritte Halbzeit: TSV 1860 München

In der „Dritten Halbzeit“ möchte ich auf das jeweils zurückliegende Spiel unseres VfB schauen. Heute das Spiel gegen die TSV 1860 München, Endstand 1:1.

Es musste also wieder ein Last-Minute-Tor her, damit der VfB noch einen Punkt aus dem Spiel gegen die Löwen mitnehmen konnte. Zuvor hatte man es in 92 Minuten gerade mal geschafft, eineinhalb Torchance zu erarbeiten (und die waren nicht mal zwingend). Und so ist das Unentschieden tatsächlich eher schmeichelhaft und bringt einen Punkt (der nicht unwichtig ist!).

Dass der VfB einen Hang zu Slapstik-Toren hat ist ja nichts unbekanntes. In genau diese Kategorie fällt auch das Tor der Münchner, denn das der Ball am Ende noch zum Torschützen gelang hat mit Unvermögen aber auch einer Portion Pech zu tun. Warum haut niemand den Ball einfach weg, wenn er einem schon so vor die Füße gestolpert wird? Dann hätte sich die Verkettung unglücklicher Umstände gar nicht erst ergeben. Dass das dann auch noch ein klares Abseitstor war setzt dem Ganzen die Krone auf (ansonsten hat das Schiedsrichtergespann gestern aber eine gute Leistung gezeigt). So war das Tor dann mehr als unglücklich in der Entstehung und noch bitterer für den weiteren Spielverlauf. 1860 München hat nämlich danach jegliche Angriffsbemühungen eingestellt und sich in der eigenen Hälfte eingeigelt. Und das haben sie auch ganz konsequent durchgezogen, sodass der VfB gar keinen Zug mehr auf das Tor entwickeln konnte.

Wenn man den VfB so hat spielen sieht muss man sich aber auch die Frage stellen, ob die Mannschaft diesen Zug zum Tor WIRKLICH entwickeln wollte. In den wenigen Situationen, in denen Geschwindigkeit gefragt gewesen wäre wurde der Ball bis zur Mittellinie getragen um ihn dann wieder zurückzuspielen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (Insua hat es ein paar mal versucht) hat kein Spieler mal die Eigeninitiative ergriffen und ist mit dem Ball in freie Räumen vorgestoßen, um den Abwehrverband von 1860 mal auseinanderzureißen. Stattdessen hat man sich den Ball zugeschoben, um am Ende dann an Flanken zu versuchen, die aber nie angekommen sind (selbiges gilt auch für sämtlichen Standardsituationen).

Jan Schindelmeiser spricht davon, dass sich einige Spieler gerade eine Formkrise nehmen. Die Frage ist: Wie kommt man da wieder raus? Die Antwort darauf muss jetzt Hannes Wolf und sein Team finden. Ich will an dieser Stelle ganz deutlich sagen, dass ich den Trainer NICHT in Frage stelle. Sicherlich kann und muss man nicht mit jeder Entscheidung einverstanden sein, die Hannes Wolf getroffen hat. Meiner Meinung nach hat sich in den letzten Spielen aber häufig die Mannschaft selbst in die Bredouille gebracht und damit auch die Handlungsmöglichkeiten des Trainers eingeschränkt. Wäre gestern dieses dumme Gegentor nicht gefallen, hätte München auch nicht dermaßen defensiv agieren können (immer unterstellt, dass auch die gewinnen wollten). Und auf dem Platz fehlt es dann aktuell an Persönlichkeiten, die die Mannschaft mitreißen können. Der Kapitän – selbst in einer Formkrise – kann dies offensichtlich nicht leisten.

Am Sonntag erwarten wir den KSC zum Derby in der Mercedes-Benz-Arena. Für mich ist dieses Spiel nun so etwas wie die letzte Chance, wieder auf die richtige Spur zurückzufinden und Selbstvertrauen zu tanken. Ich hoffe, dass der VfB Stuttgart diese Chance wahrnehmen wird!

Prost!