The Masters of Kommunikations-Deaster

Eijeijeijeijei … erst kürzlich habe ich den VfB noch dafür gelobt, dass sich beim Marketing endlich mal etwas in die richtige Richtung bewegt. Und dann so was!

Zwei Dinge gleich vorneweg:

  1. Es soll in diesem Artikel nicht um das Für und Wider einer Ausgliederung gehen. Die Gründe dafür, hat der Vertikalpass schon sehr schön aufgeschrieben.
  2. Gehen soll es aber um das, und nur so kann man es aus meiner Sicht bezeichnen, Kommunikations-Deseaster.

Der Zauber des (richtigen) Augenblicks

Hat Deine Mannschaft gerade einen Lauf? Ist spielerisch über alle Zweifel erhaben? Steht der Aufstieg schon unverrückbar fest? Liegen sich Fans und Mitglieder vor Glückseligkeit taumelnd jeden Tag in den Armen? Ja?? Dann wäre es Zeit, solch ein wichtiges Thema wie die Ausgliederung anzugehen. In allen anderen Fällen währe eher Zurückhaltung angesagt. Für die Vereinsführung war aber offensichtlich die zurückliegende Englische Woche (mit eventuell wegweisenden Spielen) der richtige Zeitpunkt, das Thema massiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das Thema Ausgliederung tatsächlich bei der Mannschaft so präsent ist und sich dort negativ auswirkt (das war bei den Vorfällen rund um Herrn Großkreutz sicher anders), so sorgt es doch vorhersehbar im weiteren Umfeld bei Mitgliedern und Fans für Unruhe. Unruhe, die dem Verein in der jetzigen Situation ganz sicherlich nicht gut tut. Sicherlich muss man die außerordentliche Mitgliederversammlung rechtzeitig vorher ankündigen und damit auch den Statuen Genüge tun. Aber in dieser Situation gleich die Promo-Maschine anzuwerfen … nicht gut!

Wörter sind die Quelle von Missverständnissen (Antoine de Saint-Exupéry)

Anders gesagt: Der Ton macht die Musik. Und da ist in dieser Sache schon jetzt, noch relativ zu Beginn des neuen Anlaufes zur Ausgliederung ein gewaltiger Missklang entstanden. Angefangen hat dies bei Präsidenten, der allen Mitgliedern wie selbstverständlich abverlangt, am Donnerstag der Mitgliederversammlung auch mal einen halben Tag frei zu nehmen. Na klar, ich habe auch immer ein paar Puffertage Urlaub aufgespart, um sie dann für genau sowas einzusetzen. Eine Kleinigkeit zwar, aber dazu angetan, den Ton für die folgende Debatte zu setzen. Neben diversen Newslettern (beim VfB „Dunkelroter Steilpass“ genannt) zum Thema hat der Verein dann auch noch eine eigene Homepage aufgesetzt: ja-zum-erfolg.info (die .de-Domain hätte 1500 EUR gekostet). Diese Website dient als Vehikel, um die aus Sicht des VfB wichtigen Themen zur Ausgliederung zu transportieren. Inhaltlich ist das zwar größtenteils alter Wein in neuen Schläuchen, aber als Plattform sicherlich legitim. Aber was zum Teufel hat die Kommunikationsexperten dabei geritten, die Rubrik „Fakes & Fakten“ einzurichten?

Wenn man sich mal anschaut, was da unter „Fake“ versammelt ist, dann sind das eigentlich nur schon in der Vergangenheit geäußerte Fragen oder Bedenken zur Ausgliederung. Dass dann in der heutigen Zeit als „Fake“ zu benennen und damit auch alle negativen Konnotationen mit in Kauf zu nehmen, ist schon ein ganzes Stück unverschämt gegenüber denen, die sich genau diese Gedanken machen. WTF(ake)???

Und dann noch die Sache mit dem Erfolg:

Für manche suggeriert dieser Spruch, dass alle, die am 1.6. mit „Nein“ stimmen gegen den Erfolg sind. Könnte man so sehen, ich schließe mich in diesem Fall aber nicht an. Für mich soll das schlicht und einfach eine griffige Formulierung sein, die man in den nächsten Wochen in der Kommunikation spielen kann. Ähnliches ist man ja zum Beispiel von politischen Wahlkämpfen auch gewohnt. Allein, dass es auch hier zu Missverständnissen kommen kann, dient sicherlich nicht der Sache.

Lachen kann nicht zurückbringen, was Ärger vertrieben hat

Kommunikation ist alltäglich und verläuft scheinbar selbstverständlich, sodass sie nicht weiter problematisch erscheint. (Quelle: Wikipedia) Der VfB ist aktuell leider dazu angetreten, das Gegenteil zu beweisen. Und das ärgert mich! Richtig!! Denn so wird dieses existenziell wichtige Thema schon vor vornherein durch handwerkliche Fehler dermaßen aufgeladen, dass eine Diskussion darüber schon kaum noch sachlich, sondern in aufgeheiztem Klima stattfinden kann. Und für mich ist in diesem Prozess eigentlich das wichtigste, dass man hier bei aller Verschiedenheit in der Meinung trotzdem ein gutes Miteinander hat. Am Ende wird ein Ergebnis stehen, mit dem dann alle zurechtkommen müssen. Aber der Weg dahin sollte doch von einer gewissen (Streit-) Kultur geprägt sein.

Lieber VfB, tragt JETZT Euren Teil dazu bei!
(*hust* Texte auf Websites lassen sich ja anpassen *hust*)