Wir alle sind der VfB!

Was? Nochmal ein Text zur aoMV und zur Ausgliederung? Brauchte ich nicht eine Pause?

Ja, die Pause ist dringend notwendig! Zu sehr hat das Thema VfB in allen Facetten in den letzten Monaten Raum eingenommen. Und doch lässt es mich immer noch nicht wirklich los.

Auf Twitter konnte man verfolgen, dass sich der ein oder die andere entschlossen hat, aus dem Verein auszutreten.

In den „sozialen“ Netzwerken oder auf Blogs etc. musste man den ein oder anderen „Shitstörmle“ lesen, weil dort auch nach der Mitgliederversammlung kritische Anmerkungen gemacht wurden.

Und insbesondere in den unmittelbar auf die MV folgenden Tagen waren doch auch immer noch gegenseitige „Ich habe aber Recht und Du bist doof“-Äußerungen da.

Nun kann man, wie oft auch geschehen, dem VfB sicherlich eine nicht unwesentliche Mitwirkung bei dieser Polarisierung und vielleicht auch Entfremdung untereinander vorwerfen. Die Kampagne im Vorfeld der Abstimmung war sicherlich nicht unbedingt dazu angetan, einen ausgeglichenen Diskurs zu fördern. Und auch manch „Antwort“ auf Nachfragen auf der MV war gelinde gesagt „daneben“. Aber mal ehrlich: die Schuld dem Verein in die Schuhe zu schieben greift zu kurz und wird der Sache auch nicht ganz gerecht.

Denn wer sich tatsächlich in breiter Masse in diesen gegenseitigen Vorwürfen und Anschuldigungen ergangen hat sind wir: die Mitglieder, die Fans, die Menschen.

Wie habe ich das erlebt? Für mich war irgendwann vor einigen Wochen klar, dass ich für eine Ausgliederung stimmen werde. Und dennoch wollte ich mich ganz bewusst bis zur aoMV herausfordern und alle möglichen Meinungen und Argumente GEGEN eine Ausgliederung sammeln, anhören und durchdenken. In diesen Wochen bin ich natürlich immer wieder über Diskussionen etc. gestolpert, wo mir wirklich die Haare zu Berge standen. Teilweise, weil die Argumente (aus meiner Sicht) einfach hanebüchen waren, teilweise aber auch, weil der Ton einfach nur daneben war. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich in dieser Zeit aus dem Impuls heraus geschriebene Antworten wieder gelöscht habe, weil sie entweder den Austausch inhaltlich nicht vorangebracht hätten oder auch das Gegeneinander hätten weiter befeuern können. Das hat am Ende dazu geführt, dass ich fast gar nichts mehr geschrieben habe und dies dann lieber hier in den Blog verlegt habe (und sogar dazu auch diverse Audio-Kommentare aufgenommen habe).

Viele anderen Menschen haben dies leider – bis zur MV selbst – nicht geschafft. Und das macht mich irgendwie traurig.

Jeder soll seine eigene Meinung entwickeln. Über die man sachlich diskutieren und damit das Gegenüber vielleicht sogar noch vom Gegenteil überzeugen kann. Aber wir sind keine Missionare, die nur eine Wahrheit gelten lassen!

Wenn nun jemand, aus welchen Gründen auch immer, aus dem Verein austreten möchte, dann ist das eine rein persönliche Sache. Dazu hat sich eigentlich niemand zu äußern. Das ist schade und für mich auch nicht so ganz nachvollziehbar. But that´s none of my business!!

Wenn sich jetzt jemand auch nach der Entscheidung vom 1.6. noch kritisch äußern mag, dann ist das kein „Nachtreten“ oder „Dauerbruddeln“ sondern nach wie vor Teil der Demokratie. Genauso wie das Wahlrecht und eine Mehrheitsentscheidung. Und man kann zu den Gegnern der Ausgliederung nicht sagen, dass die demokratische Wahl zu akzeptieren wäre, gleichzeitig aber jede Diskussion mit diesem Argument unterbinden.

Das alles führt tatsächlich dazu, dass ich mich nach der aoMV trotz des gewünschten Ergebnisses nicht so richtig freuen kann.

Es kommen nun viele Herausforderungen auf den Verein aber auch das gesamte Umfeld zu:

  • VfB muss nun natürlich mit dem Mandat der Mitglieder sehr seriös, umsichtig und vor allem nachhaltig umgehen. Im besten Falle schauen wir uns alle in ein paar Jahren in die Augen und sagen, dass die Ausgliederung doch das Richtige war. Damit nicht das Gegenteil eintritt, muss nun der Verein liefern.
  • Außerdem muss der VfB aber auch versuchen, die entstandenen Risse wieder zu kitten. Dazu hat er die besten Möglichkeiten, weil er Herr über viele Kanäle ist, die die Menschen erreichen. Wolfgang Dietrich möchte der Präsident aller sein. Das muss er nun zeigen – aber auch von allen die Chance dazu bekommen.
  • Wir Fans und/oder Mitglieder müssen wieder zusammenfinden! Lasst uns diese Energie wieder in konstruktive Bahnen lenken und den VfB sowohl im Stadion als auch abseits dessen unterstützen. Und damit meine ich auch ausdrücklich, dass man die Zukunft im Verein kritisch und konstruktiv verfolgt. Mit den veränderten Einflussmöglichkeiten ist eine „fünfte Gewalt“ (neben der Presse als vierter Gewalt) im Vereinsleben heute und in Zukunft vielleicht noch wichtiger als früher.

Ich würde mich freuen, wenn wir in der nächsten Saison noch enger für den Verein zusammenstehen! Und das sowohl im Stadion als auch im Geiste.

Denn wir alle sind der VfB!

(Das Beitragsbild stammt von vertikalpass.de. Die haben auch noch mehr Bilder zum Aufstieg! Und natürlich tolle Texte.)