Der Sturm im Wasserglas

Man muss schon ein sehr guter Beobachter sein, wenn man aufgrund von Mikroexpressionen und Körpersprache auf die Gemütslage eines ganzen Vereins (und der dazugehörigen AG) schließen kann. Dann sprechen „unzweideutige Gesten“ und „eingefrorene Blicke“ eine deutliche Sprache und verheißen „Unzufriedenheit, Ärger und Sorge“. Genau das hat Gunter Barner nun erkannt und in einem Artikel für die Stuttgarter Nachrichten niedergeschrieben.

Oder es gibt einzelne Personen oder Gruppen, die diesen Weg dazu genutzt haben, um die eigene, tatsächlich vorhandene, Unzufriedenheit zu kanalisieren. Kann man natürlich nicht wissen …

Zusammengefasst werden Jan Schindelmeiser in dem Artikel Alleingänge, Arroganz und ein fehlendes Konzept vorgeworfen. Die Transfers seinen „wirr“ und er habe sogar verhindert, dass Daniel Didavi zum VfB zurückkehrt (will das wirklich jemand?). Außerdem sei es der größte Sündenfall, dass Alexandru Maxim den Verein verlassen habe. Und nicht zuletzt treibt Jan Schindelmeiser dadurch zunehmend Sorgenfalten auf die Stirn aller (!), die bei der Ausgliederung mit „Ja“ gestimmt haben.

Wenn man den Artikel liest, wird man schnell erkennen, dass es an Belegen für die aufgeführten Behauptungen komplett mangelt. Sich dabei auf die eingangs erwähnte Körpersprache zu verlassen (oder dies zumindest so darzustellen) ist natürlich schwierig und spiegelt sich dann konsequent auch in den vielen Konjunktiven wieder, mit denen das Stück durchsetzt ist. Für den SWR hat sich Jens Wolters dem Artikel angenommen und kommt auch zu dem Ergebnis, dass an dem Text von Herrn Barner nicht so viel dran sein kann.

Sicher, bei den Gelegenheiten, bei denen ich Jan Schindelmeiser persönlich erleben durfte, wurde schon deutlich, dass er eine Persönlichkeit ist, die sehr genaue Vorstellungen davon hat, in welche Richtung sich der Verein entwickeln soll und wie Dinge umzusetzen sind. Dass man dazu Entscheidungen treffen muss, diese dann konsequent durchsetzt und damit dann sicherlich auch mal aneckt, ist glaube ich völlig normal in jedem Unternehmen, wird aber im Falle des VfB natürlich wie unter einem Brennglas genauer betrachtet. Über die Arbeit von Herrn Schindelmeiser wird man erst in ein oder zwei Jahren wirklich urteilen können, denn die eigentliche Bewährungsprobe „1. Bundesliga“ beginnt für ihn und den Verein ja erst jetzt. Bis dahin bin ich aber sehr dafür, dass alle Verantwortlichen erst mal in Ruhe arbeiten können.

An dem Artikel wird wahrscheinlich schon das übliche Körnchen Wahrheit dran sein, das geschilderte Ausmaß der Verwerfungen halte ich aber für unwahrscheinlich. Mich ärgert eigentlich vor allem, dass versucht wird unter Ausnutzung der aktuellen Stimmungslage („Wo sind die Krachertransfers für die IV?????“) eine Geschichte zu spinnen, die dem Verein, aber auch den handelnden Personen schaden könnte (oder, je nach Intention der Informationsquellen, sogar soll). Für mich ist das einfach nur billig.

Aber hey: Gunter Barner konnte nochmal einen Artikel raushauen, genauso wie es in den guten alten Zeiten war … Und am Ende ist das dann nur ein Sturm im Wasserglas.