Bitter-sweet victory

Bitter-süß war der Sieg wahrlich, den der VfB am vierten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg feiern konnte.

Positiv lässt sich feststellen, dass die Mannschaft gestern insgesamt einen kompakten und engagierten Auftritt hingelegt hat. Wolfsburg kam überhaupt nicht zur Entfaltung und hat insgesamt eine sehr schwache Leistung abgeliefert. Der VfB im Gegenzug hat aber auch nichts zugelassen und seinerseits das Spiel relativ überlegen gestaltet. In der Aufstellung von gestern scheint man für diesen Tag eine gute Wahl getroffen zu haben, denn alle Spieler konnten sich in ihrer Leistung im Gegensatz zum Spiel auf Schalke wieder steigern. Stellvertretend soll hier der Neuzugang Santiago Ascacibar genannt werde, der nicht nur in der Defensive seine Aufgabe mit Bravour erledigte, sondern auch in der Spieleröffnung immer wieder Impulse setzten konnte. Hervorragend! Am Ende war der Sieg mehr als verdient und hätte vielleicht noch etwas höher ausfallen können (oder müssen).

Niederschlagend waren aber auf der anderen Seite natürlich die Szenen rund um die schwere Verletzung von Christian Gentner. Auch während ich diese Zeilen schreibe bin ich noch immer fassungslos darüber, was sich dort gestern im Stadion abgespielt hat.

Zunächst mal ist die Art und Weise zu betrachten, wie Casteels im Zweikampf Gentner angegangen ist. Nach dem Absprung ist er mit angezogenem Knie in den Mannschaftskapitän getauscht und hat ihn direkt am Kopf bzw. im Gesicht erwischt. Nun wurde von unterschiedlicher Seite bestätigt (u.a. auch von Ron-Robert Zieler), dass dies Teil der Ausbildung ist und den Torhütern so zu deren Schutz beigebracht wird. Das mag durchaus so sein, entbindet aber meiner Meinung nach keinen Spieler, dieses Mittel verantwortlich einzusetzen. Auch Feldspieler bekommen beigebracht, wie man den Gegner vom Ball trennen soll. Wenn hier dann statt dem Ball der Mann getroffen wird, dann gibt es entsprechende Sanktionen.

Die Fussballregeln des DFB in der aktuellen Fassung enthalten zu „Grobem Foulspiel“ folgenden Passus (Seite 70):

Tacklings oder Angriffe, die eine Gefahr für den Gegner darstellen oder übermäßig hart oder brutal ausgeführt werden, sind als grobes Foul zu ahnden.

Grobes Foulspiel
Ein Spieler, der im Kampf um den Ball von vorne, von der Seite oder von hinten mit einem oder beiden Beinen in einen Gegner übermäßig hart hineinspringt oder die Gesundheit des Gegners gefährdet, begeht ein grobes Foul.

Grobes Foulspiel wird zuvor als „Feldverweiswürdiges Vergehen“ eingestuft.

Nun ist bekannt, dass das gesamte Schiedsrichter-Team diesen Vorfall als „unglücklichen Zusammenprall“ interpretiert hat. Schiedsrichter Guido Winkmann hatte sich wohl schon früh abgewendet und das Spiel weiterlaufen lassen. Aber auch der Video-Schiedsrichter, der diese Szene nochmals am Bildschirm betrachten konnte, reagierte nicht. Für mich erfüllt der Vorgang in diesem Spiel aber den oben geschilderten Tatbestand des „Groben Fouls“ zu 100%.

Das Spiel dann nicht zu unterbrechen, wenn ein Spieler am Kopf getroffen wird und offensichtlich schwer verletzt am Boden liegt, ist ein absolutes Unding! Hier sagt die Regel (Seite 31):

[Der Schiedsrichter hat …] das Spiel zu unterbrechen, wenn ein Spieler ernsthaft verletzt ist […]

Möchte man das positiv bewerten, dann hat Winkmann diese Szene einfach „falsch eingeschätzt“. Allerdings muss man sich schon auch fragen, wie man dies überhaupt richtig einschätzen soll, wenn man sich frühzeitig abwendet und sich auf den Weg zum anderen Ende des Spielfelds macht. Und wenn man dann sieht, wie lange der Schiedsrichter gebraucht hat, um sich überhaupt mal in Richtung des Verletzten zu bewegen, dann ist dies einfach schon mehr als unangenehm arrogant. Ich bin froh, dass Dr. Best und Kollegen so schnell reagiert haben und auch ohne Aufforderung durch den Schiedsrichter auf den Platz geeilt sind und so noch wesentlich schlimmeres verhindert haben!

Lieber Christian Gentern: Ich wünsche Dir alles Gute, einen guten Verlauf der anstehenden Operation(en) und eine schnelle Genesung! Wir alle stehen – wie auch Dein Team – hinter Dir!

VfB / via Facebook