Das U-Boot VfB

Der VfB – und damit ist in diesem Fall der Verein bzw. die „VfB Stuttgart 1893 AG“ gemeint – ist wie ein U-Boot. Mal ist er aufgetaucht und wahrnehmbar, mal untergetaucht und unsichtbar. Gerade befinden wir uns wieder in einer Phase der Schleichfahrt.

Grundsätzlich der Fokus derzeit vor allem auf dem sportlichen Bereich. Das ist auch gut so bzw. angebracht, da es hier ja durchaus einiges zu diskutieren gibt. Wir alle hoffen ja, dass die Entwicklung in diesem Bereich langsam aber sicher Fahrt aufnimmt und sich das Punktekonto füllt. Mich als Mitglied würde aber daneben auch sehr interessieren, was sonst so im Verein derzeit geschieht.

Nach der am 1. Juni beschlossenen Ausgliederung hat man sich ans Werk gemacht, die AG gegründet und die vorher festgelegten Anteile an den „Ankerpartner“ Daimler AG verkauft. Dann hat man sich von Jan Schindelmeiser getrennt und Michael Reschke als neuen Sportvorstand geholt. Und wäre nicht eine Fliegerbombe auf dem Trainingsgelände gefunden und entschärft worden, hätte man wahrscheinlich von den (im Rahmen der Ausgliederung auch angekündigten) Renovierungsarbeiten an den Plätzen auch nichts mitbekommen.

Im Dezember steht die nächste Mitgliederversammlung des e.V. an. Einer Versammlung, der viele nur noch symbolische Bedeutung beimessen, da mit der Ausgliederung der Profi-Mannschaften im Fußball nur noch eine sehr mittelbare (und auch das ist schon positiv formuliert) Einflussmöglichkeit besteht. Satzungsgemäß wird der VfB vorab dann wieder die notwendigen Unterlagen verschicken und das wird dann seit langem das erste Mal sein, dass man wieder etwas vom Verein hört. Wer weiß, vielleicht werden wir dann ja auch schon mit dem nächsten Investor für eine Tranche der Anteile überrascht …

Aber warum ist das so? Und könnte man dies nicht besser machen?

Nun ist das Verhältnis von Teilen der Mitglieder und Fans zum VfB spätestens seit dem Beginn der Debatten um die Ausgliederung problematisch. Es wurden sehr dogmatische Debatten zu grundsätzlich unterschiedlichen Positionen geführt, am Ende konnte hier dann auch keine Einigung erzielt werden. Darüber sollte auch nicht das sehr hohe Abstimmungsergebnis der außerordentlichen Mitgliederversammlung hinwegtäuschen. Dass hier tiefe Gräben bestehen konnte z.B. auch nach der Entlassung von Jan Schindelmeiser beobachtet werden, als die Lager wieder aufeinander losgegangen sind.

Ein großer Punkt war und ist immer wieder die fehlende Transparenz bei vielen Vorgängen rund um den Verein. Man hatte hier in der Vergangenheit mit den Regionalversammlungen einen Vorstoß unternommen, der die Mitglieder besser einbinden und noch näher an den VfB rücken sollten. In diesen regionalen Versammlungen und einer Ideenwerkstatt wurden Vorschläge erarbeitet, die den Verein in seiner Entwicklung auch aus Sicht der Mitglieder weiter voran bringen sollte. Teilweise wurden diese auch (irgendwie) umgesetzt, viel ist aber letztendlich im Sande verlaufen. Zuletzt hat man klar gesagt, dass es solche Versammlungen nicht mehr geben wird und mit Rainer Mutschler hat in der Zwischenzeit auch der damals zuständige Projektleiter den Verein verlassen. Ich finde es tatsächlich sehr schade, dass man sich von diesem Ansatz komplett verabschiedet hat, da ich alle von mir in diesem Zusammenhang besuchten Veranstaltungen als durchaus interessant empfunden habe. Und auch wenn vielleicht inhaltlich der Mehrwert überschaubar sein mag (und ja: das kostet auch Geld), so ging man doch wenigstens mit einem ganz guten Gefühl nach Hause. Und auch der Verein hat sich lange Zeit bei jeder Gelegenheit mit diesem deutschlandweit einmaligen Vorgang gebrüstet (dafür war es dann wohl auch noch gut).

Nun gibt es also als maßgebliche Einheit die „VfB Stuttgart 1893 AG“. Was passiert den eigentlich hier? Gab es schon mal Sitzungen des Aufsichtsrates? Mit welchem Inhalt und welchem Ergebnis? Was sind gerade die aktuellen Themen, mit denen sich die Vorstände beschäftigen? Stehen Entscheidungen an oder wurden getroffen? Nur ein paar wenige Fragen, auf die man (ich) aber keine Antwort hat. Wenn man auf vfb.de mal den Suchbegriff „VfB Stuttgart 1893 AG“ eingibt, dann ist die letzte Meldung vom 4. August (die Trennung von JS). Ist seit dem nichts mehr beachtenswertes passiert?

Ja, ich weiß, dass die AG im Sinne der Publizitätspflichten keine Informationen nach außen geben muss, die nicht in den entsprechenden Gesetzen geregelt sind. Aber kann man diese AG mit einer „normalen“ vergleichen? Ich denke nicht, denn mit dieser sind, trotz des gesellschaftsrechtlichen Konstruktes, viel zu viele Emotionen verbunden. Die AG ist nun mal „der VfB“ und damit neue Heimat unserer Lieblingsmannschaft(en). Sollte man da nicht über das vorgeschriebene Maß in der Kommunikation gehen?

Man könnte schreiben, dass Sitzungen der Organe zu bestimmten Themen geplant sind. Vielleicht kann man im Anschluß dann auch Ergebnisse mitteilen. Oder welche Themen im Verein/der AG gerade grundsätzlich relevant sind. Was für die nächste Zeit geplant ist. Was in den Ausschüssen besprochen wird. Und und und … Nicht falsch verstehen: Es sollen keine Interna in die Öffentlichkeit getragen werden und sensible Bereiche und Themen müssen geschützt werden. Wir brauchen keine neuen Maulwürfe. Aber, um im Bild des U-Boots zu bleiben, etwas mehr Info aus dem Maschinenraum darf es schon sein.

Vielleicht bin ich auch der Einzige, den das interessiert, dann würde der VfB nicht viel falsch machen. Im Sinne eines besseren Miteinanders und eines Begegnens der Mitglieder und des Vereins auf Augenhöhe würde ich persönlich aber mehr Offenheit sehr begrüßen. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass dies dem VfB sowohl nach innen als auch nach außen gut tun würde.