Unfassbar … aber geil!

Der VfB hat seine Heimserie ausgebaut, das Spiel gegen den 1. FC Köln mit 2:1 gewonnen und bleibt damit zuhause weiter ungeschlagen. Dabei schwankte die Leistung der Mannschaft allerdings einmal mehr zwischen „unfassbar“ (schlecht) und (einfach nur noch) „geil“.

Betrachtet man sich die ersten 30 Minuten des Spiels, dann muss man sich schon fragen, warum der VfB wieder dermaßen schlecht in die Partie gekommen ist. Köln spielte mutigen und teilweise auch ansehnlichen Fußball nach vorne und die Jungs aus Cannstatt liefen meist hinterher. In der Schlussphase der ersten und in größten Teilen der zweiten Halbzeit berappelte sich dann der VfB und kam selbst zu Chancen und einem Tor. Aus dem Nichts fiel dann der Ausgleichstreffer für Köln (wieder so ein Schuß, der nur selten, dann aber gegen den VfB, gelingt. Siehe Frankfurt). Nach der Posse um den Videobeweis gelangt dann Akolo durch eine schöne Einzelaktion und unter Mithilfe des anwesenden Handwerkers der Siegtreffer.

Und überhaupt die Sache mit dem Videobeweis. Grundsätzlich bin ich erst mal der Meinung, dass dies nie und nimmer ein Elfmeter war. Das hatte ich im Stadion schon aus der Entfernung so wahrgenommen und sehe mich auch nach Betrachten der Fernsehbilder bestätigt. Wenn überhaupt, dann war dies ein Offensivfoul. Was dann in den folgenden Minuten aber abging, war schon der Hammer. Ewigen Diskussionen über das Headset folgte am Ende die Begutachtung der Fernsehbilder durch den Schiedsrichter selbst, bis dann schlußendlich die Entscheidung auf Schiedsrichterball fiel. Aus Sicht des Stuttgarter Fans könnte man hier fast unterstellen, dass der Schiedsrichter mühsam von den Kollegen in Köln überredet werden musste, seine Fehlentscheidung wieder rückgängig zu machen. Alles in allem war dies im Ablauf und der Dauer aus meiner Sicht erneut keine Werbung für den Videobeweis (auch wenn der VfB in diesem Fall davon profitiert hat). Auch in den Medien wird das kontrovers besprochen: Während SPON die Kölner als Opfer sieht, ist die Süddeutsche da eher auf der Seite des Schiedsrichters.

Allerdings bleibt auch nach diesem Spiel festzuhalten, dass die Mannschaft des VfB noch keine wirkliche Stabilität gefunden hat. Starken Leistungen stehen zu oft noch teilweise eklatante Fehler entgegen, die das Leben noch schwerer machen als nötig.

  • Ron-Robert Zieler hat auch gestern wieder eine ganz starke Leistung gezeigt. Ich glaube, dass so langsam deutlich wird, warum seine Verpflichtung absolut richtig war.
  • Marcin Kaminski hat sich leider schwer verletzt und wird für die nächsten Wochen ausfallen. An dieser Stelle wünsche ich natürlich „Gute Besserung“!
  • Denis Aogo und Andreas Beck sind auf den Außen weiterhin schwach und verhindern oftmals, dass Geschwindigkeit in das Spiel kommt. Symptomatisch waren für mich die beiden Situationen, in denen Aogo im Strafraum den Ball bekam und statt eines Schusses jeweils lieber wieder die Sicherheitsvariante wählte und den Ball wie gewohnt irgendwo nach hinten spielte. Ich hoffe, dass Emiliano Insua bald wieder eingreifen kann und zu seiner alten Form kommt, damit wenigstens auf dieser Seite wieder ein Angriffsspiel entwickelt werden kann.
  • Simon Terodde hat auch gestern wieder geackert und seine Leistung zwar nicht mit einem Tor, dafür aber mit dem tollen Pass auf Donis gekrönt. Ich würde es aber natürlich ihm persönlich als auch der Mannschaft wünschen, dass bald wieder regelmäßiger Tore dazukommen (auch wenn ich das gegen die anstehenden, starken Gegner eher weniger sehe).
  • Timo Baumgartl ist meiner Einschätzung nach in seiner Entwicklung etwas stehengeblieben. Sicherlich ist die 1. Bundesliga ein anderes Pflaster und nicht notwendigerweise mit der 2. Buli zu vergleichen. Das ein junger Spieler da noch lernen kann und muss sollte klar sein. Allerdings sehe ich da wie gesagt aktuell keine Verbesserung. Zu oft läuft er hinterher (siehe auch vor dem Gegentor) oder ist in seinen Aktionen oft nicht konsequent genug. Dagegen ist Benjamin Pavard richtig stark und bietet sowohl Robustheit als auch spielerische Lösungen an.
  • Ich bin doch mal sehr gespannt, wie Hannes Wolf die Mannschaft weiterentwickeln kann und wird. Nachem nun doch schon einige Spiele gemacht sind, scheint die Balance immer noch nicht ganz da zu sein. Und die wirklich schweren Spiele stehen noch bevor …

Eines ist nach dem Abend aber auch klar: Genau wegen solcher Spiele geht man ins Stadion. Diese emotionale Achterbahnfahrt in einer solchen Atmosphäre ist einfach nur geil! Zumindest wenn der VfB dann auch gewinnt …

Es waren hart erkämpfte drei Punkte, aber man soll die Feste ja feiern wie sie fallen: