Gewogen und (vorerst) für zu leicht befunden

Lasst und kurz über das Spiel gegen Hoffenheim sprechen, bevor der Blick schon jetzt, vor dem Spiel gegen Bayern München, auf die nun zu Ende gehende Hinrunde der Saison 2017/2018 geht.

Nun konnte ich die ersten 20 Minuten des Spiels leider nicht sehen, weil ich auf dem Weg ins Dorf leider zu viel Zeit auf der A6 und dem Weg vom Parkplatz ins Stadion verbringen durft. So habe ich wohl die starke Phase des VfB verpasst, wo man durchaus gute Chance hatte in Führung zu gehen. Der Rest der ersten Halbzeit war dann noch „ok“, auch wenn sich Hoffenheim zunehmend ein Übergewicht erspielen konnte. Was dann die Mannschaft in der zweiten Halbzeit wieder geritten hat, verstehe ich auch heute noch nicht. Ja, es waren mit Donis und Akolo relativ schnell zwei Spieler nicht mehr mit dabei, die im Matchplan von Hannes Wolf sicherlich eine zentrale Rolle gespielt haben. Aber dann so passiv aufzutreten und sich immer weiter hinten reindrängen zu lassen will mir nicht in den Kopf. Exemplarisch muss für mich da (mal wieder) Andreas Beck herhalten, der ein ums andere Mal den Pass in die Tiefe verweigert hat (obwohl der entsprechende Mitspieler loslief und dies auch anzeigte) und lieber wieder zurück in die Abwehr gespielt hat. Insgesamt ist der VfB so aufgetreten, als müsste man nur noch eine Zwei-Tore-Führung verwalten. Dass dann die TSG noch irgendwie den Ball über die Linie bekommt war leider klar. Und so hat man es mal wieder verpasst, die sich in einem Spiel bietenden Möglichkeiten zu nutzen und Punkte zu holen.

Dieser Umstand begleitet uns allerdings bekanntermaßen schon die ganze Saison über, was nun dazu führt, dass man kurz vor der Winterpause in gefährlicher Nähe zu einem Abstiegs- oder Relegationsplatz steht (wenn es am letzten Spieltag schlecht läuft, dann muss man sogar dort überwintern). Die Gründe dafür sind sicherlich mannigfaltig und vielschichtig, ein paar davon möchte ich im Folgenden beleuchten.

Auf dem Platz

Die Innenverteidigung ist der Mannschaftsteil, der sich entgegen der Erwartungen und im Vergleich zur Vorsaison tatsächlich am meisten stabilisiert hat. Mit Holger Badstuber hat man einen erfahrenen Spieler, der wieder mehr Struktur in die Abwehr bringt und an dem sich die jüngeren Nebenspieler auch orientieren können. Was auch dringend notwendig ist, denn trotz aller Veranlagung sind sowohl Timo Baumgartl als auch Benjamin Pavard immer wieder noch für den ein oder anderen Aussetzer gut und auch zu schwankend in der Form. Insbesondere bei Baumi frage ich mich immer wieder, wann er für sich dieses körperlose Spiel als Mittel der Wahl entdeckt hat. Statt auf den Gegenspieler draufzugehen versucht er immer nur den Ball zu blocken und ist so schon das ein oder andere Mal dann eiskalt ausgespielt worden.

In der Außenverteidigung bietet sich da schon ein etwas anderes Bild. Auf der einen Seite hat man mit Andreas Beck einen Spieler, der nach hinten solide ist, dafür in der Offensive aber eklatante Schwächen offenbart. Auf der anderen Abwehrseite ist nach langer Verletzung Emiliano Insua zurückgekehrt, kann aber noch nicht an seine Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen. Zu Beginn der Saison durfte sich Dennis Aogo dort versuchen, der aber ähnlich wie Beck zwar solide spielt, aber das richtige Momentum vermissen lässt. Dieses fehlende Momentum ist dann auch schon eine der ersten Ursachen, warum es auch nach vorne nicht so richtig klappt.

Das Mittelfeld ist auf der 6er-Position mit Gentner und Ascacibar tatsächlich mittlerweile ganz gut und relativ zuverlässig besetzt. Insbesondere der Argentinier hat uns schon den ein oder anderen tollen Moment beschert und spielt auch relativ gleichbleibend zuverlässig. Wie sehr Christian Gentner der Mannschaft gefehlt hat, hat man erst so richtig bei seiner Rückkehr nach der schlimmen Verletzung gemerkt. Er läuft viele Lücken zu und ist so im taktischen System von Hannes Wolf eine wichtige Säule. Auch kann man ihm den 100%-igen Willen nie absprechen. Was mir an ihm in dieser Saison fehlt, sind die offensiven Impulse und vielleicht sogar auch ein oder zwei Tore (und auch noch was anderes, da komme ich aber gleich darauf zu sprechen). Wie in der Abwehr gilt auch im Mittelfeld: In der Mitte solide, außen nur mäßig. Leider schafft es bisher keiner der vielen auf diesen Positionen eingesetzten Spieler bisher, dauerhaft so etwas wie Druck auf die Abwehr oder gar Gefahr aufzubauen. Tassos Donis ist hier auf einem guten Weg, wurde aber leider durch seine Schulterverletzung zurückgeworfen, kam dann gegen Leverkusen mit einer starken Leistung zurück und fiel nun im Spiel gegen Hoffenheim wieder früh aus. Insgesamt ist diese Schwäche im offensiven Mittelfeld aber auch eine der Ursachen, die zu unserem Problem im Sturm führen.

Nun mag man sich anhand von nur 13 Toren in der Hinserie fragen: Welcher Sturm? Und so ganz unberechtigt ist diese Frage ja auch nicht. Gebeutelt von Verletzungspech (siehe Daniel Ginczek), fehlendem Backup aus dem Mittelfeld aber auch individuellen Schwächen (ob es Takuma Asano mal schaffen wird, einen Ball sauber an- und mitzunehmen?) ist der Angriff mittlerweile das absolute Sorgenkind des VfB. Selbst ein Simon Terodde, der in der 2. Bundesliga immerhin zwei Mal Torschützenkönig wurde, hängt hier in der Luft und kann bisher leider gar nichts zeigen. Die Diskussion um seine Person („Ist Terodde gut genug für die 1. Bundeliga?“) geht meiner Meinung nach auch am Kern des Problems vorbei, denn für mich hat Terodde noch gar keine wirkliche Chance bekommen, sich zu beweisen. Entweder spielt er nicht (was tatsächlich nicht immer nachvollziehbar ist) oder er steht vorne eben alleine und kann dann auch nicht viel erreichen. Und so muss man leider eher von einem Verlegenheitssturm sprechen, der den Abwehrreihen unserer Gegner sicherlich keine Angst (oder zumindest Respekt) einjagt. Konnte man sich in der vergangenen Saison noch darauf verlassen, dass im Verlauf des Spiels (gerne auch in der Nachspielzeit) schon noch jemand treffen würde, so ist hier aktuell leider gar nichts zu erwarten.

Zur Wahrheit in dieser Hinrunde gehört aber auch, dass der VfB (wie sehr viele anderen Mannschaften auch) mit einer großen Zahl von Verletzten zu kämpfen hat (die Liste der Namen wäre an dieser Stelle zu lang). Die Folge ist, dass Hannes Wolf immer wieder umbauen und improvisieren muss, was sich insgesamt sicher auch nicht positiv auf das Spiel des VfB auswirkt. Und in solchen Situationen wird dann halt auch deutlich, dass der Kader diese vielen Ausfälle nicht kompensieren kann, weil die Qualität der Nachrücker dann doch nicht ganz ausreicht oder zumindest die eigentlich mögliche Leistung nicht abgerufen wird.

Der Trainer und seine Spielidee

Hannes Wolf sind die Schwächen seines Teams sicherlich bewusst. Meiner Vermutung nach ist daraus auch der Ansatz entstanden, vor allem defensiv kompakt zu stehen und erst mal Tore zu verhindern. Schließlich könnte man ja auch mit dem ein oder anderen 0:0 Punkte holen. Funktioniert hat das bisher aber leider gar nicht. Mittlerweile ist allen klar, dass der VfB, sollte er ein Gegentor bekommen, fast keine Chance mehr hat, zurück ins Spiel zu kommen. Und dennoch hält Hannes Wolf bis dato weiter an dieser Taktik fest. Vielen (auch mir) fehlt da etwas der Mut. Das gestrige Spiel gegen Hoffenheim war da ein gutes Beispiel. Denn wenn ein Gegner selbst wenig stabil spielt und sich in der ersten Halbzeit immer wieder anfällig gezeigt hat, warum schafft man es dann nicht, den Druck aufrecht zu erhalten und selber ein Tor schießen zu wollen? Stattdessen verfällt man wieder in einen Defensivmodus, der nur auf ein Halten des Ergebnisses ausgelegt ist. Schade!

Über die Hinrunde hinweg gibt es auch in der Aufstellung und in manchem Wechsel immer wieder Punkte, die nicht ganz so einleuchtend waren. Ich frage mich zum Beispiel, wie schlecht die Alternativen sein müssen, wenn Andreas Beck immer wieder auflaufen darf. Die oben erwähnten Verletzungen erzeugen beim Kader und der Aufstellung immer wieder Zwänge, mit denen Hannes Wolf umgehen muss. Die vielleicht auch dazu führen, dass die Entwicklung der Mannschaft nicht ganz so schnell vorwärts geht, wie wir uns alle (und zuvorderst wahrscheinlich Hannes Wolf) das wünschen. Nichtsdestotrotz muss diese Entwicklung nun aber Fahrt aufnehmen, damit die Hinrunde ausreichend erfolgreich gestaltet werden kann.

Führungsspieler gesucht!

Trotz eines im Schnitt noch relativ jungen Kaders verfügt der VfB durchaus auch über einige Spieler, die Erfahrung aus internationalen Ligen und/oder vielen Jahren in der Bundesliga mitbringen. Intern mag das auch ganz gut funktionieren. Einen Führungsspieler auf dem Platz sucht man da aus meiner Sicht aber leider vergebens. Kein Christian Gentner, Holger Badstuber, Andreas Beck, Ron-Robert Zieler oder Dennis Aogo sind in der Lage (sofern sie denn spielen), die Mannschaft mitzureissen oder auch mal einzelne Spieler an den Ohren zu einer besseren Leistung zu schleifen. Auch dieser Umstand gehört dazu, wenn man dem VfB konstatieren muss, dass er aktuell nicht in der Lage ist, ein Spiel auch nochmal zu drehen. Führungsspieler kann man sich nicht backen, aber es sollte doch genug Substanz da sein, dass zum Beispiel die oben genannten Personen zusammen (!) diese Aufgabe übernehmen können …

Was zu erwarten war …

Ich glaube, dass vor der Saison jedem klar war, dass die Situation, wie wir sie jetzt haben, mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit eintreten würde. Auch wenn man insgeheim hofft, dass es besser laufen würde, als Aufsteiger muss man nun mal damit rechnen, nicht „oben“ mitzuspielen. Natürlich: Auch Hannover ist Aufsteiger und die stellen sich aktuell deutlich besser an. Aber die Regel ist das ja nicht unbedingt. Von daher steht weiterhin das ausgegebene Ziel des Klassenerhaltes. Nicht mehr und selbstverständlich überhaupt nicht weniger.
Und trotzdem ist es schon zum Haare raufen, wenn man sich den Verlauf der Saison anschaut. Einer (auf dem Papier) tollen Heimstärke stehet eine katastrophalse Auswärtsbilanz gegenüber. Nun war in dieser Hinrunde auch im eigenen Stadion nichts Gold was glänzte, denn wenn man ehrlich ist dann wurden viele Spiele gerade mal so mit Ach und Krach gewonnen. Andererseits gabe es in der Fremde auch immer wieder sehr gute Chancen auf Punkte, man konnte diese nie realisieren. Und dieses „gut mitgehalten aber unglücklich verloren“ hat dann schon mal die Hoffnung genährt, dass da mehr möglich ist. Ist es aber gerade offensichtlich nicht.

Alles in Allem komme ich für mich zu dem Schluß, dass der VfB in der 1. Bundesliga gewogen und (vorerst) noch für zu leicht befunden wurde. Die Mannschaft und der Trainer haben Potenzial, das aber leider viel zu oft noch sehr tief schlummert und man so immer wieder von erfahreneren Mannschaften für die fehlende letzte Konsequenz bestraft wird. Die kurze Winterpause muss daher nicht nur für notwendige Verstärkungen, sondern auch dafür genutzt werden, dass sich jeder im gesamten Team (Mannschaft und Trainerstab) hinterfragt und die entsprechenden Schlüsse daraus zieht. Es ist gewiss nicht alles schlecht, aber eben leider auch noch zu wenig gut.

Ich habe aber trotz aller wenig zufriedenstellenden Ergebnisse weiterhin Vertrauen in den Trainer und auch die Mannschaft, dies in der Rückrunde besser zu gestalten. Was aber nur gehen wird, wenn jeder Einzelne nochmal eine Schippe drauflegt.

Einen ganz anderen Blick auf diese Hinrunde bietet übrigens auch die Saisonspende. Hier stehe ich aktuell bei läppischen 39 Euro. Wenn das so weitergeht, dann muss ich da noch gewaltig aufrunden, damit sich Spende an „Ärzte ohne Grenzen“ überhaupt lohnt …

Zum Abschluss: Ich schaue nur von Außen auf den VfB. Ich bin kein Trainer oder Spieler. Oder Taktikfuchs. Die Bewertung intern mag sicherlich in vielen Punkten ganz anders ausfallen als ich es dargestellt habe. Aber auch hier gilt: die Wahrheit ist das was man sieht. Und was die aktuelle Lage beim VfB angeht, ist meine Wahrnehmung genau wie oben geschildert. Ich nehme für mich nicht in Anspruch, eine Lösung für die Probleme zu haben, wünsche mir aber, dass die Lösungen von den dafür Zuständigen gefunden werden. Und alle Kritik an Personen bezieht sich rein auf das sportliche Auftreten, nicht auf die Persönlichkeit selbst (ich finde nämlich, dass das Team im Großen und Ganzen sehr sympathisch ist!).