Unentschieden der Herzen

Der VfB hat gegen Bayern München verloren. Soweit nichts besonderes, der letzte Sieg gegen die Bayern ist immerhin schon viele Jahre her. Und trotzdem war das Spiel etwas Besonderes.

Zunächst mal konnte man an diesem Tag seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder einen VfB besichtigen, der gewillt war um jeden Ball zu kämpfen und trotzdem höchst diszipliniert zu spielen. Zuletzt hatte man so ein Auftreten gegen Dortmund gesehen und insgesamt in dieser Hinrunde leider viel zu wenig. Ganz deutlich war der Wille zu spüren, sich gegen den scheinbar übermächtigen Gegner möglichst teuer zu verkaufen und mit etwas Glück vielleicht sogar etwas Zählbares mitnehmen zu können.

Die Mannschaft schwört sich auf das Spiel ein.

Los ging es mit einer sehr guten Chance von Robert Lewandowski, der nur knapp am Tor vorbei schoss. So konnte man schon früh sehen, dass man eben gegen eine Mannschaft wie Bayern nicht alles verteidigen kann (zumindest in der aktuellen Lage des VfB). Und auch ein spielerisches Übergewicht musste man den Gästen zugestehen. Dies alles aber machten die Jungs aus Cannstatt durch Kampf und Einsatz wett. Die Münchner wurden konsequent angelaufen und teilweise schon in Manndeckung genommen. Und so vergingen die Minuten und Bayern kam kaum entscheidend vor das Tor und wenn doch, dann war Ron-Robert Zieler (für mich gestern der beste Spieler) zur Stelle. So ganz leise begann die Hoffnung auf einen Punkt aufzukommen, da betrat Thomas Müller das Spielfeld, fand den leeren Raum in der Abwehr des VfB und schoß trocken zur Führung ein. Einer Führung, die nicht unbedingt zu erwarten gewesen und vielleicht sogar nicht mal wirklich verdient war.

Und dann der Elfmeter … Ascacibar wird von Süle im Strafraum eindeutig gefoult, Patrick Ittrich lässt zunächst aber weiterspielen. Erst das Eingreifen des Assistenten aus Köln bewegt den Schiedsrichter dazu, sich die Szene nochmal auf dem Bildschirm anzuschauen. Warum dies überhaupt notwendig war ist fraglich, denn eigentlich stand der Unparteiische richtig und hatte gute Sicht auf den Vorgang. Sei´s drum, nach Ansicht der Bilder entschied er auf Strafstoß. Und so legte sich Chadrac Akolo in den letzten laufenden Sekunden des Spiels denn Ball zurecht, holte nochmal tief Luft, lief los, schoß … und traf Sven Ulreich, der auf dem Weg in seine Lieblingsecke war. Lähmendes Entsetzen bei den VfB-Fans, Freude bei den (zu) vielen Bayern-Anhänger und eine bodenlose Niedergeschlagenheit bei Akolo waren die Folge. Unmittelbar im Anschluss war das Spiel dann aus und der VfB musste sich trotz einer couragierten Leistung wieder mit einer Niederlage begnügen.

Elfmeter in der Nachspielzeit: Das Unglück nimmt seinen Lauf.

So ärgerlich dies nach so einem guten Spiel des VfB und eines deswegen verdienten Punktes auch war, so muss ich doch sagen, dass ich mit diesem Ausgang des Spiels gut umgehen kann. Ja, wir brauchen jeden Punkt und ein solcher war auf jeden Fall gegen die Bayern drin. Aber ich hatte für dieses Spiel gar keine Erwartungen und bin im Gegenteil mit der Leistung der Mannschaft wirklich zufrieden. Es ist immer leichter gesagt als getan, aber wenn man dies in die nächsten Spiele tragen kann, dann sollte es in der Rückrunde doch besser laufen.

Ganz toll fand ich auch, dass sowohl in der Cannstatter Kurve als auch bei mir im Umfeld auf der Gegengeraden Akolo sofort nach dem Spiel mit aufmunterndem Applaus bedacht wurde und sich keiner großartig aufgeregt hat (das machen dann ja lieber die Social-Media-„Kommentatoren“). Wenn so ein junger Spieler eine solch große Verantwortung übernimmt, dann ist es einfach auch im Bereich des Möglichen, dass es schiefgeht. Und wenn man sich zu dieser Szene auch die Bilder vor Augen ruft, wo Timo Baumgartl nach dem Spiel gegen Dortmund seinerzeit von den Fans getröstet wurde, dann spricht dies einfach für das Stuttgarter Publikum! Am Besten hat dies glaube ich Dennis Aogo auf den Punkt gebracht:

Zwei Fragen stellen sich mir nach diesem Spiel allerdings noch:

  1. Warum hat der VfB eine solche Leistung nicht viel konstanter in dieser Rückrunde gezeigt? Es kann nicht an den Spielern gelegen haben, denn die gestrigen Akteure standen auch sonst zu einem großen Teil auf dem Platz.
  2. Warum hat man Akolo zum Elfmeter antreten lassen? Wäre dies nicht eine Aufgabe für einen der (älteren) Führungsspieler gewesen?

Trotz der Niederlage war das Spiel für mich ein guter Abschluss der Hinrunde und des letzten Heimspiels in 2017. Es werden nun ein paar Tage vergehen, bis ich wieder im Stadion Platz nehmen kann um die Mannschaft wieder anzufeuern. Die Winterpause ist kurz, muss aber für die Vorbereitung auf die Rückrunde gut genutzt werden (sowohl auf dem Platz als auch am Telefon bei zu tätigenden Transfers). Ich bin weiterhin (so wie viele andere auch) davon überzeugt, dass der VfB sein Ziel erreichen und in der ersten Bundesliga verbleiben wird.

Bis 2018!