Nachspielzeit: Auf Du und Du mit dem VfB (?)

Die Ausgabe 4 mit dem Titel „Auf Du und Du mit dem VfB (?)“ ist da! Die „Nachspielzeit“ ist der Podcast, in dem es eher am Rande um das Sportliche, aber immer um den VfB Stuttgart geht.

Erstmals wird der Podcast auch von einem Text hier im Blog begleitet (fast schon ein Transkript), der alle wichtigen Themen aufnimmt. So hat man also dann die Chance sich das Ganze entweder anzuhören und/oder hier nachzulesen. Wie immer freue ich mich über Feedback zum Thema oder auch zum Podcast an sich. Kommentiert hier im Blog oder schreibt mir auf Twitter bzw. Facebook.

Immer neue Rekorde und ein ganzes Stadion voller Mitglieder. Der VfB Stuttgart e.V. ist also ganz augenscheinlich für sehr viele Menschen immer noch „hot“. Und auch wenn ich bezüglich der Motivation für eine Mitgliedschaft von Teilen der Mitglieder etwas zweifle (Vorkaufsrecht für Karten anyone?), so ist es prinzipiell ja auch erst mal nicht schlecht, wenn der Verein mehr zahlende Mitglieder bekommt. Mit den steigenden Zahlen wächst aber aus meiner Sicht auch die Verpflichtung und Herausforderung, die der Verein gegenüber seinen Mitgliedern (und Fans) hat. Und aktuell zweifle ich eher daran, ob der VfB da in die richtige Richtung geht …

Gehen wir mal etwas in der Zeit etwas zurück in die Phase, als Bernd Wahler noch Präsident und Robin Dutt noch Sportvorstand war. In dieser Zeit hat der VfB ein Projekt „Vereinsentwicklung“ ins Leben gerufen, das zum Ziel hatte, zusammen mit den Mitgliedern verschiedene Aspekte des Vereinslebens zu diskutieren und zu bearbeiten. Zunächst wurde hier eine Umfrage gemacht, deren Ergebnisse dann Basis für regionale Versammlungen waren, die im Einzugsgebiet des VfB stattfanden. Dort wurden dann die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert sowie in Arbeitsgruppen bestimmte Themenfelder besprochen und Ansätze für eine Weiterentwicklung erarbeitet. Der Input aus diesen Veranstaltungen wurde dann konsolidiert und im Rahmen einer „Zukunftswerkstatt“ konkret ausgearbeitet und Handlungsempfehlungen formuliert. Es soll an dieser Stelle auch gar nicht darum gehen, ob und wie diese Handlungsempfehlungen dann vom Verein umgesetzt wurden. Mir geht es hier eher um den Ansatz, mit den Mitgliedern in den Dialog zu kommen. Ich persönlich muss nämlich sagen, dass ich diese Regionalversammlungen (ich war auf zweien) und die „Zukunftswerkstatt“ (auch hier durfte ich teilnehmen) wirklich gut fand. Zieht man mal ab, dass dies natürlich auch vorbereitend für die Ausgliederung stattgefunden hat, so war es doch eine Möglichkeit, mit den „Entscheidern“ beim VfB in direkten Kontakt zu kommen. Und das auch auf Augenhöhe, es wurde sogar das „Du“ gepflegt (Stefan Heim musste sich da allerdings immer wieder erst dran gewöhnen).

Ein Bild von vor dem Beginn der zweiten regionalen Versammlung in Ludwigsburg.

Ein Sprung ins Hier und Jetzt zeigt, dass davon nichts mehr übrig geblieben ist. Meiner Meinung nach entfernt sich der Verein bzw. die AG immer mehr von den Mitgliedern des e.V. und auch den Fans.

Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit, mit Vertretern der sogenannten „organisierten Fan-Szene“ (sprich: den Ultras) zu sprechen. In einem wirklich sehr interessanten Gespräch kam auch zur Sprache, wie sich der Kontakt zum VfB in der letzten Zeit verändert hat. Verkürzt kann man sagen, dass es den Kontakt eigentlich kaum noch gibt. Die Zusammenarbeit im Fan-Ausschuss, der als regelmäßige Veranstaltung ein wichtiger Kanal war, ist merklich abgekühlt. Wo zum Beispiel im Zuge des Neubau der Cannstatter Kurve im Stadion noch intensiv zusammengearbeitet wurde, macht sich nun eine deutliche Distanz breit. In Kombination mit der erfolgten Ausgliederung ist dies dann schon Grundlage für eine spürbare Enttäuschung. Zumal der Support aus der Kurve natürlich im Stadion notwendig ist und man sich ja auch von Seite des VfB dann ganz gerne damit schmückt. Das gestiegene Ansehen des VfB kommt nämlich auch daher, dass das seit einiger Zeit in Massen in das Stadion strömende Publikum ein positives Aussenbild vermitteln – zuvorderst hier selbstverständlich die Kurve (von den Auswärtsspielen wollen wir gar nicht sprechen). Viele Gründe, warum es sich der VfB also eigentlich gar nicht leisten kann, diese Fans zu verlieren. Und doch ist er auf dem besten Wege dahin …

Und dann wir Mitglieder, von denen es ja wie gesagt immer mehr gibt. Wie steht der Verein denn zu uns? Veranstaltungen wie die regionalen Versammlungen wird es vorerst nicht mehr geben, dass hat Wolfgang Dietrich ja klar so gesagt. Aber wie kommen der Verein und die Fans dann sonst zusammen?

Seit der Mitgliederversammlung im Dezember gibt es ja nun die Vereinsbeiräte, u.a. auch für den Bereich Mitglieder und Fans. Was genau die konkrete Tätigkeit und der „Einfluss“ sein wird, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen. Hier bin ich mal gespannt, ob sich da an der Situation etwas verbessern wird und worin diese Verbesserungen bestehen werden. Selbstverständlich muss man den gewählten Personen Zeit geben, in ihrem neuen Amt anzukommen und dieses auch auszugestalten. In den bisherigen wenigen Wochen war da verständlicherweise nichts zu erwarten. Nun sind aber die Feiertage vorbei und es sollte dann doch jetzt so langsam losgehen … Mal schauen, wann wir etwas von den Beiräten hören.

Spätestens mit der Ausgliederung der Profimannschaften ist der VfB auch zu einem Unternehmen geworden und wird meinem Eindruck nach nun auch so geführt. „Gut so, wurde auch Zeit!“, sagen die einen und haben auch Recht damit. Eine weitere Professionalisierung der Strukturen und Prozesse war sicherlich notwendig. Das Rad hat sich weitergedreht und den Veränderungen im Profigeschäft muss Rechnung getragen werden – heute und in Zukunft. Wenn man als Verein weiter bestehen will, dann muss man hier Schritt halten und manche Dinge auch mitgehen. Andere Mitglieder sagen, dass man nur noch zu „Kunden“ verkommt und wenden sich vielleicht sogar ganz vom Verein (nicht von der Mannschaft) ab. Das sind dann leider auch diejenigen, die sich aktiver um das Vereinsgeschehen gekümmert haben. Dass ich das mehr als schade finde, weil insbesondere jetzt jede Stimme im Verein benötigt wird, habe ich in der Nachspielzeit Folge 3 kurz angerissen. Aber selbst wenn wir keine Mitglieder sondern nur noch Kunden sind, passt das Auftreten des VfB nicht.

Bei der Mitgliederversammlung im Dezember gab es im Gegensatz zum Juni noch sehr viel Platz …

Die Strategie des Vereins ist es ja aktuell offensichtlich, immer mehr Mitglieder zu gewinnen. Eine breite Basis ist sicherlich nicht schlecht, meiner Meinung nach aber zu kurz gedacht. Denn egal ob Mitglieder bei einem Verein oder Kunden eines Unternehmens: Das größte Potenzial liegt doch immer darin, die Loyalität zu steigern und Menschen nachhaltig an den Verein etc. zu binden. Eine Nachhaltigkeit, die sich vor allem dann zeigen und bewähren wird, wenn es sportlich mal wieder nicht so läuft oder auch personelle Veränderungen anstehen (mag sich gerade schon jemand damit beschäftigen, dass uns z.B. auch Hannes Wolf irgendwann verlassen wird?). Außerdem sind loyale Mitglieder am Ende dann ja auch die besseren Kunden (bei Tickets, Trikots, Fan-Artikeln etc.). Und wenn man den VfB schon als Unternehmen führt, dann muss das doch Motivation genug sein. Stattdessen ist man nur dabei, die Masse zu erhöhen. Dies führt dann dazu, dass von 60.000 Mitgliedern nur ein Bruchteil dazu motiviert werden kann, zu einer Mitgliederversammlung zu gehen (ja ich weiß, dass ist ein vielschichtiges Thema und hier nur vereinfacht dargestellt) oder bei einem Spiel gegen Bayern plötzlich das halbe Publikum zum Gegner hält. Wie die wohl an die Karten gekommen sind?

Nun ist es sicherlich unrealistisch zu erwarten, dass alle Mitglieder oder auch Fans sich intensiv mit dem VfB beschäftigen. Für viele ist es sicher völlig ausreichend ihre Verbundenheit durch eine Mitgliedschaft auszudrücken und ab und zu mal ins Stadion zu gehen. Und das ist absolut ok! Ein wirkliches Asset für den Verein sollten aber dann doch umso mehr diejenigen sein, die sich in besonderer Art und Weise mit dem VfB identifizieren und dies auf den unterschiedlichsten Wegen zum Ausdruck bringen. Hier wünsche ich mir wieder mehr Engagement vom Verein!

Im Rahmen der lebenslangen Mitgliedschaft gibt es ja eine VIP-Einladung zu einem Heimspiel (in der Würth Soccer Lounge mit Essen & Getränken) sowie eine offizielle Ehrung mit Übergabe einer Urkunde. Ich habe es ja selbst mitgemacht und muss ehrlich sagen, dass man sich dann für ein paar Stunden schon „besonders“ fühlt. So etwas kann man logischerweise nicht in großem Stil machen, aber auch kleinere Dinge können hier schon Wirkung zeigen. Die vielen Kundenbindungsprogramme anderer Unternehmen zeigen ja, dass sowas funktioniert (oder warum geben so viele Menschen ihr komplettes Einkaufsverhalten für ein paar Punkte und Prämien preis?).

Was könnte das dann zum Beispiel sein? Ein paar Ideen:

  • Ein Format ähnlich der regionalen Versammlungen entwickeln und durchführen. Wenn man die damaligen Stationen auf ein Jahr verteilt, sollte das auch überschaubarer sein (für die Ausgliederung hat man so etwas ja auch hinbekommen … dies dann aber leider auch fast im gleichen Atemzug für die Zukunft ausgeschlossen)
  • Regelmäßige „ask me anything“-Sessions mit relevanten Vertretern des Vereins bzw. der AG (online, das kostet dann nur Zeit)
  • Mitgliedern anhand der Dauer ihrer Vereinszugehörigkeit bzw. ihres Status Besonderheiten anbieten (z.B. Meet & Greet mit der Mannschaft, Gutscheine, besondere Sitzplätze auf der MV …)
  • Rabatt auf Fan-Artikel und/oder vergünstigtes VfBTV-Abo
  • Parkplatzkontingent für Heimspiele (Vergabe z.B. per Auslosung)

Dass man ein Vorkaufsrecht auf Karten hat, bei der MV vor Ort abstimmen kann und vier Mal im Jahr die Vereinszeitschrift „Dunkelrot“ bekommt: geschenkt. Das würde ich mittlerweile nicht mal mehr als besonderen Vorteil herausstellen wollen.

Es gibt nicht wenige die nun sagen werden, „Dieser Firlefanz mit irgendwelchen Goodies ist mir völlig egal. Für mich macht eine Mitgliedschaft im Verein nur Sinn (bzw. hat Sinn gemacht), als ich noch mit meiner Stimme auf den Mitgliederversammlungen in Bezug auf die Profimannschaft mitentscheiden konnte!“. Eine solche Haltung ist natürlich völlig legitim, aber diese Zeiten sind nun mal seit der Ausgliederung vorbei und werden auch so schnell nicht wiederkommen. Wenn die eigenen Stimme gehört werden soll, dann muss man dies auf anderem Wege tun (zum Glück gibt es da ja heutzutage genug Möglichkeiten). Die oben genannten Beispiele sind vielleicht (sehr wahrscheinlich sogar) auch gar nicht das Allheilmittel. Wichtig ist die Haltung, die dahinter steckt und die sich der VfB aus meiner Sicht wieder erarbeiten muss!

Wie seht ihr das? Entfernt sich der VfB von den Mitgliedern und Fans? Oder passt das eigentlich ganz gut so wie es ist?