So läuft das Spiel gegen Schalke

Spielbericht

Schalke, das im Hinspiel noch vom Phlegma des VfB profitiert hatte (siehe den damaligen Artikel „Schlaf im Schacht„), steht aktuell in der Tabelle ganz gut da, hat aber die letzten Spiele auch verloren und zudem mit dem Weggang von Leon Goretzka zu den Bayern im Sommer auch ein heißes Aufregerthema. Dem gegenüber steht der VfB, der trotz des Sieges gegen Berlin in einer mittelgroßen Krise steckt und am letzten Spieltag in Mainz die bisher schlechteste Leistung der Saison abgeliefert hat. Vor heimischem Publikum sollte also ein Sieg her, der nicht nur die Nerven der Fans, sondern auch die zunehmenden Diskussionen um Trainer, Taktik und Transfers beruhigen soll. Im Vorfeld der Partie war vom Verein bekanntgegeben worden, dass sich Holger Badstuber mal wieder verletzt hat und einige Zeit ausfallen wird. Dafür ist Mario Gomez nach der Auswechslung in Mainz rechtzeitig wieder fit geworden.

Die große – und wie sich zeigt auch sehr erfolgreiche – Überraschung gelingt Hannes Wolf jedoch mit der Mannschaftsaufstellung. Völlig unvorhersehbar beordert er Burnic, Managala und Larsen in die Startelf und begründete dies ganz einfach mit der Extraportion Motivation, die Dortmunder Spieler bei Partien gegen Schalke haben. Aus gleichem Grund fängt mit Daniel Ginczeck auch ein Mann im Sturm an, der ebenfalls eine Dortmunder Vergangenheit hat. Und wenn man sieht, wie die alle miteinander aufdrehen, dann ist das Kalkül von Wolf voll aufgegangen. Mit frühem Pressing, teilweise auf Höhe der gegnerischen Grundlinie (Ausnahme: Andreas Beck), wird Schalke so unter Druck gesetzt, dass ihnen über 90 Minuten kein geordnetes Aufbauspiel gelingt. Der Abwehrrecke Naldo ist so im eigenen Strafraum beschäftigt, dass keine Zeit für gefährliche Aktionen bei eigenen Standardsituationen bleibt und Leon Goretzka ist aufgrund fehlender Einbindung in das Spiel sowieso komplett abgemeldet, zudem steht ihm aber auch Santiago Ascacibar permanent auf den Füßen und verhindert so jegliche Aktion des baldigen Bayern-Spielers. Gestartet mit einem sehr klassischen 4-4-2, stellt Hannes Wolf seine Mannschaft dann bald auf ein 2-5-3 um (wofür eine Abwehr?) und trägt mit diesem taktischen Kniff auch dazu bei, dass Schalke keine Luft zum atmen hat.

Hervorzuheben ist beim VfB in diesem Spiel vor allem die Abteilung „Angriff“. Schnelle Pässe im Mittelfeld, gefährliche Flanken oder messerscharfe Pässe in die Tiefe sind eine Augenweide und führen das ein oder andere Mal auch zu aussichtsreichen Situationen – und zu Toren. Zwei Mal darf Ginczek jubeln und je ein Mal treffen auch Donis und Gentner, der seine Rolle heute wieder ungewohnt offensiv interpretieren kann. Der spät eingewechselte Gomez scheitert dann leider vom Elfmeterpunkt (Naldo hatte den Ball mit der Hand gespielt), was der allgemeinen Freude auf den Rängen aber keinen Abbruch tut. Es ist schon lange her, dass das „Oh wie ist das schön“ durch das Stadion hallt und rundherum nur stahlende Gesichter zu sehen sind.

Dem tut auch der zwischenzeitliche Anschlusstreffer zum 3:1 keinen Abbruch, als Burgstaller nach dem Anspiel den Ball einfach mal in Richtung des Tores von Ron-Robert Zieler drischt und dieser den extremst (!) flatternden Ball nicht richtig festhalten kann. Insgesamt gelingt dem VfB so aber ein nie gefährdeter 4:1-Sieg, der im Abstiegskampf ein kleines Polster verschafft (alle direkten Konkurrenten haben verloren) und der Mannschaft dringend notwendiges Selbstvertrauen gibt.

Die Stimmen nach dem Spiel

Hannes Wolf: „Wir wussten, dass ein ganz schweres Spiel auf uns zukommt, weil Schalke einen Taktikfuchs als Trainer hat und auch individuell sehr gut aufgestellt ist. Dennoch ist dies eine lösbare Situation und dementsprechend haben wir der Mannschaft mitgegeben, dass sie heute vor heimischem Publikum alles raushauen soll. Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit der Leistung.“

Domenico Tedesco: „Ja, was soll ich sagen? War halt einfach Scheiße.“

Michael Reschke: „Ich freue mich heute besonders über den Sieg, weil wir den Fans im Stadion nach der Leistung von Mainz etwas zurückgeben konnten. Scheinbar hat es dann doch geholfen, dass ich mit diese Woche mit dem Trainer über Taktik und Aufstellung unterhalten haben. Unser Verhältnis ist nicht nur sehr gut, sondern ganz arg sehr gut. Ich denke, dass wir uns jetzt über eine Vertragsverlängerung unterhalten können.“

Daniel Ginczek: „Ich habe mich heute gut gefühlt und wusste, dass ich was reißen kann (kein Muskel dieses Mal). Dass es dann sogar zwei Tore geworden sind freut mich, am wichtigsten ist aber, dass ich damit der Mannschaft helfen konnte.“

Ron-Robert Zieler: „Das war eine ganz starke Leistung von uns heute. Den Ball zum Gegentor muss ich natürlich festhalten, aber bei den äußeren Bedingungen, wie wir sie in Mainz hatten, ist sowas halt sehr schwer und kann passieren.“