Danke für Alles, Hannes!

In seiner Zeit als Trainer wurden Hannes Wolf viele „Liebesbriefe“ geschrieben (auch von mir). Dies ist leider der letzte …

Im Sommer 2016, als der VfB Stuttgart nach dem Abstieg am Boden lag und nur erste zaghafte Schritte in Richtung eines Wiederaufbaus unternommen hatte, bist Du, Hannes, zu uns gekommen und hast dem zarten Pflänzchen „Hoffnung“ ein Gesicht gegeben. Zusammen mit Jan Schindelmeiser standest Du für eine neue Ära in der Vereinsgeschichte, für einen Aufbruch in neue, bessere Zeiten. Zeiten, in denen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden und man mit einem zukunftsweisenden Konzept den VfB wieder in die Spur bringen wollte. Heute müssen wir uns nun leider von Dir und Miguel verabschieden, Jan Schindelmeiser musste ja schon ein paar Monate früher gehen.

Was haben wir uns bei Deiner Vorstellung alle die Augen gerieben. Waren wir doch gerade erst von einem Trainer ohne jegliche Zukunftsperspektive erlöst worden, bekamen wir nun eine völlig neue, weitgehend unbekannte Personalie präsentiert. Und wir waren, man muss es so sagen, schon nach der Pressekonferenz zu Deiner Vorstellung völlig von Dir eingenommen. Da saß jemand, der Eigenschaften wie Authentizität, Kompetenz, Fokussierung mit Zugänglichkeit und Lockerheit auf perfekte Weise zu kombinieren wusste. Und jemand, der schon alleine aufgrund seines Alters ein Versprechen an die Zukunft war (und auch nach dem heutigen Tage ja immer noch ist!).

Ein ewiges Denkmal für den Verein (damals war es noch ein Verein) hast Du Dir mit dem Aufstieg am 21. Mai 2017 gesetzt. An einem Tag, wie gemacht für eine große Feier, hast Du die Meisterschaftsschale in den Himmel gereckt und unter dem Jubel der Massen den Lohn Deiner Arbeit genossen. Und trotz aller Freude mit „Demut“ bereits nach vorne in Deine erste Saison in der 1. Bundesliga geschaut.

Ein Ritual: Hannes und Miguel lesen vor jedem Heimspiel auf dem Rasen im Stadionheft (Bild vom 27. Januar 2018)

Der Weg zu diesem Tag war nicht immer leicht gewesen. Zu behaupten, dass der VfB in der Saison 2016/2017 seiner Rolle als Aufstiegsfavorit immer gerecht geworden wäre, wäre sicherlich falsch. Souveräne Auftritte gab es tatsächlich nur sporadisch, oft war es in den Spielen spannend bis in die Nachspielzeit. Und manchmal waren auch sehr tiefe Täler zu durchschreiten (wie zum Beispiel nach den Niederlagen in Dresden und Würzburg). Dennoch, auch Rückschläge hast Du verkraftet und als Ansporn für Deine weitere Arbeit genommen. Und der Erfolg hat Dir am Ende ja auch Recht gegeben.

Der Start in die aktuelle Saison hat dann gezeigt, dass die Demut nach dem Aufstieg absolut angebracht war und ist. Von Spiel zu Spiel gestaltete sich das Vorankommen sehr zäh, manchmal musste man den Eindruck haben, dass es gar keinen Fortschritt mehr gab. Der Heimstärke stand eine eklatante Auswärtsschwäche gegenüber, die mit längerer Fortdauer sicherlich in Bezug auf das Projekt „Klassenerhalt“ immer bedrohlicher wurde. Und ja, vielleicht hat sich nach und nach dann doch die Ahnung eingestellt, dass der Weg in die 1. Bundesliga, den Du noch gehen musst, doch noch etwas weiter ist als gedacht.

Hannes, ich möchte Dir für Deine Zeit beim VfB, Dein Engagement und Deine Arbeit danken. Mit Dir habe ich zum ersten Mal erlebt, dass man auch für einen Trainer so schwärmen kann, wie es sonst nur bei Spielern der Fall ist. Und das, obwohl ich aus diese Alter eigentlich schon länger raus bin … Aus vielen Pressekonferenzen und Interviews weiß ich, dass Du Dir immer bewusst warst, wie das Geschäft „Profi-Fussball“ läuft und wie die üblichen Mechanismen sind. Deswegen habe ich auch die Hoffnung, dass Du diesen Tag und die Phase zuvor sehr reflektiert erlebst und mit Dir selbst weitestgehend im Reinen bist. Ich hoffe, dass Du immer mit Freude im Herzen an die meiste Zeit beim VfB und uns Fans zurückdenken wirst!

Ich habe diesen Artikel am 21. Januar begonnen (man ist ja nicht ganz blind), hätte aber nicht gedacht, in so früh beenden zu müssen.


Nun kann man über den Abschied von Hannes Wolf nicht schreiben, ohne auch noch ein paar Worte zu den anderen Beteiligten zu verlieren. Und ja, ohne dabeigewesen zu sein kann ich nur schildern, wie ich es von Außen sehe. Aber wenn man viele Mosaiksteine zusammenträgt, dann ergibt sich schon ein Bild, dass möglicherweise nicht ganz so weit weg von der Wahrheit ist. Here we go:

Als nach dem Abstieg 2016 der VfB plötzlich ohne Präsident, Sportvorstand und Trainer da stand war allen klar, dass sich etwas verändern musste. Nicht nur gehörte der VfB einfach in die 1. Bundesliga, nein es musste sich auch innerhalb des Vereins etwas bewegen.  Der erste Schritt wurde mit der Verpflichtung von Jan Schindelmeiser getan, der sich so wohltuend von allem abhob, was zuvor beim VfB für sportliche Belange verantwortlich gewesen war. Dass dieser sich von Luhukay trennte war für mich richtig und folgerichtig, weil ein erste Schritt hin zu einem neuen VfB, bei dem nicht die alte Mechanismen wieder und wieder greifen sollten. Als Schindelmeiser dann Hannes Wolf aus dem Hut zauberte war, zusammen mit den Spielerverpflichtungen, ein rundes Bild der Zukunft des Vereins entstanden. Einer Zukunft, in der man wieder auf Talente setzen wollte. In der es Zeit für Weiterentwicklung geben sollte. Für alle!

Spätestens mit dem heutigen Tage ist davon NICHTS mehr zu spüren. Die jetzt Verantwortlichen haben sich völlig von dem abgewandt, was 2016 begonnen wurde und sind wieder auf den Weg dorthin, wo den VfB von uns Mitgliedern und Fans niemand mehr sehen wollte. Eine herz- und seelenlose Maschine, für die „Zukunft“ nur der Zeitraum bis zur nächsten Trainerentlassung ist, nicht aber ein Konzept, dass über Jahre greifen und reifen muss. Hier passt auch die höchstwahrscheinlich anstehende Auflösung des VfB 2 nur allzu gut ins Bild. Natürlich gibt es Trainer auf dem Markt, die fachlich mindestens genauso gut sind wie Hannes Wolf und vielleicht auch das notwendige Plus an Erfahrung mitbringen. Aber ein Gesicht des Vereins wie es Hannes Wolf war (die Gründe sind oben aufgeführt), wird auf nicht absehbare Zeit keiner mehr werden (dazu bedarf es dann schon des Gewinns der Meisterschaft). Wie diese ganze Geschichte dann in den letzten Tagen abgewickelt wurde ist ein weiteres Armutszeugnis für alle Verantwortlichen in Verein und AG.

Genauso gehört aber für mich auch die Mannschaft in die Pflicht genommen. In den Gesprächen vor der Trennung hat Hannes Wolf ja wohl gesagt, dass er die Mannschaft nicht mehr zu 100% erreiche (sich die Aufgabe aber dennoch weiter zutrauen würde). Wenn man aber eine Mannschaft nicht mehr erreicht, dann kann dies nicht nur eine einseitige Geschichte sein. Ich stelle mir die Frage, ob die Mannschaft (oder wesentliche Teile davon) überhaupt noch erreicht werden wollten? Wenn ich mir die Leistungen der letzten Spiele anschaue, dann war das Arbeitsverweigerung und ein Spiel gegen den Trainer.

Und all dies zusammen, kotzt mich gerade einfach nur an VfB!


Ein kleines Update nach einer Nacht: