Zurück zum Wesentlichen

Es wird derzeit wieder viel diskutiert über den VfB (nebenbei gesagt: MIT dem VfB zu diskutieren wäre natürlich noch viel besser!). Es wird auch viel geschimpft über den VfB. Und über die Mannschaft. Aber auch über die Fans, Kommentatoren, Nörgler und Bruddler rund um den Verein. Und das hat sich meinem Eindruck nach aber so verselbstständigt, dass schon über das Diskutieren an sich diskutiert wird: Welche Form denn angemessen wäre? Ob diese Diskussionen überhaupt sein müssen? Und ob der dadurch erzeugte „Gegenwind“ eigentlich nur eine milde Brise von einem kleinen Teil der Mitglieder und Fans ist. Mir geht darüber tatsächlich etwas der eigentliche Kern der Debatte verloren.

Zunächst: Ich glaube, dass Disput und auch eine gewisse Streitkultur eminent wichtig sind, denn sie dienen dazu Dinge zu hinterfragen, womöglich Alternativen zu entwickeln und so insgesamt eine Sache (in diesem Fall den VfB) voran zu bringen. Dazu gehört auch, unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren und mit diesen umzugehen. Ich habe auf meinen Artikel „Wer bist Du, VfB“ sehr viele Reaktionen bekommen, der überwiegende Teil war positiv oder zumindest konstruktiv, manches aber auch negativ (oder einfach blöd). Egal wie, die Inhalte scheinen bei vielen Fans und Mitgliedern einen Nerv getroffen zu haben. Und damit habe ich für mich ein erstes Ziel erreicht, nämlich (wenn auch vielleicht im dennoch überschaubaren Rahmen) eine Diskussion anzustoßen. Die eigentlichen Themen aber sind in den letzten Tagen zunehmend zugunsten diverser „Meta-Diskussionen“ leider auf der Strecke geblieben. Zwei Beispiele:

In der ganzen sportlichen Situation und der Entwicklung der letzten Wochen spielt die Mannschaft sicherlich eine (wenn auch nicht die einzige) entscheidende Rolle. Am Ende sind es die Jungs auf dem Platz, die zwar Vorgaben umsetzen sollen, aber auch durch ihre individuelle und kollektive Leistung den Ausgang eines Spiels wesentlich in der Hand haben. Nun hat das mit Blick auf die Ergebnisse zum Ende der Hinrunde bzw. Beginn der Rückrunde ganz offensichtlich nicht mehr so funktioniert. Ja, es waren auch Spiele dabei, die anders hätten ausgehen können (man hatte Bayern am Rande eines Unentschiedens), andere waren aber einfach nur eine Bankrotterklärung (Hallo Mainz!). Das dann eine Unzufriedenheit aufkommt, die sich gegen das Team aber auch tlw. einzelne Spieler richtet, sollte keine Überraschung sein. Einen Spieler der eigenen Mannschaft während des Matches auszupfeifen ist natürlich ein absolutes No-Go (dass man sowas überhaupt sagen muss), die Leistung zu kritisieren sollte aber in gleichem Maße auch möglich sein. Jetzt wird aber plötzlich darüber diskutiert, ob man das darf und so ein „Shitstorm“ nicht völlig kontraproduktiv ist. Eine Diskussion, die übrigens nicht nur beim VfB geführt wird. Die Rolle der Mannschaft, die zu der aktuellen Situation mit beigetragen hat, geht dabei leider unter.

In meinem Artikel hatte ich geschrieben, dass ein großer Verein meiner Meinung nach eine gesellschaftliche Verantwortung hat und sich diese ab einem gewissen Punkt auch in einer klaren Haltung zu anti-gesellschaftlichen Vorgängen zeigen sollte (auch wenn man sich ansonsten soweit möglich weltanschaulich neutral verhalten möchte). Wie es der Zufall will hat sich nun in den letzten Tagen rund um den SV Babelsberg eine Geschichte entwickelt, die genau in diese Richtung zielt. Und plötzlich steht der VfB zusammen mit den anderen Vereinen aus den Ligen da und muss eine Haltung haben. In der allgemeinen Diskussion geht es aber eher darum, ob „Politik“ überhaupt was „im Stadion“ zu suchen hat und warum man wahlweise „Rechts“ oder „Links“ oder beides nicht viel schlimmer findet. Aber die Frage, wie der VfB zu dieser Verantwortung steht, bleibt offen (der Tweet von heute zählt da nicht wirklich).

Ich möchte dazu aufrufen, wieder zu den Kernpunkten der Diskussion zurückzukehren und sich damit inhaltlich und sachlich zu beschäftigen (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Wie definiert der VfB sein Selbstbild (Stichwort „Identität“)?
  • Wie sieht nun ganz konkret die Philosophie des VfB aus, die Grundlage für die sportliche Weiterentwicklung des Vereins ist?
  • Wenn vorhanden, wie wird diese Philosophie in tatsächliche Maßnahmen übertragen? (Jugendförderung, Spielsysteme, Kaderplanung etc.)
  • Wie sieht dazu die kurz-, mittel- und langfristige Planung aus? Ist dieses Konzept zukunftsfähig?
  • Welche Pläne gibt es bzw. wie ist der aktuelle Stand bei der Suche nach Investoren? Können zum Beispiel die Kriterien veröffentlicht werden, nach denen mögliche Partner bewertet werden („Sie müssen dem VfB nicht nur finanziell weiterhelfen“ ist mir da zu schwammig)?
  • Wie kann es gelingen, entstandene Gräben zwischen Verein und Fans (z.B. den organisierten Fangruppen) wieder zu schließen?
  • Wie kann der VfB wieder in einen regelmäßigen Austausch mit seinen Mitgliedern kommen? Eine Mitgliederversammlung im Jahr ist da meiner Meinung nach zu wenig.

Auch zu den Dynamiken innerhalb der Mannschaft hätte ich viele Fragen, ich bin mir aber darüber bewusst, dass dies keine Themen sind, die nach Außen getragen werden (sollten).

All dies sind Punkte, die mich interessieren und auf die ich gerne Antworten haben möchte. Mir geht es dabei nicht um das Diskutieren um des Diskutierens willens. Ich verspüre auch keinen besonderen Drang immer nur zu „Nörgeln“ – ganz im Gegenteil. Ich empfinde es aber einfach so, dass der VfB leider wieder in eine Phase eingetreten ist, in der diese Dinge intensiver hinterfragt werden sollten. Und dieses Recht nehme ich mir als Mitglied einfach mal raus. Man ist kein guter oder schlechter Fan, wenn man kritisch hinterfragt (Martin hat das auf gedankenvoll.de auch aufgeschrieben). Aber man ist ein engagiertes Mitglied oder Fan. Und von denen kann ein Verein doch eigentlich nie genug haben, oder?


Kennst Du schon die „Nachspielzeit“? Den Podcast, in dem es nur am Rande um das sportliche, aber immer um den VfB geht? Wenn nicht dann gleich in der Podcast-App Deiner Wahl abonnieren oder direkt hier über das Internet hören: