Don´t look back in anger (for now)

Die Länderspielpause ist ja immer eine wunderbare Gelegenheit, auch mal etwas vom Vereinsfußball, ja komplett vom Fußball, abzuschalten (Testspiele der Nationalmannschaft lassen sich ignorieren). Oder aber die letzten Wochen beim VfB nochmal etwas Revue passieren zu lassen. Und der allgemeinen Ausgeglichenheit halber will ich dabei mal positiv (!) auf die Zeit zurückschauen, denn die Tabelle lügt nicht und dort wird der VfB mit aktuell 37 Punkten auf Platz 8 (in Worten: Acht) geführt. Das wäre zu Beginn der Rückrunde nicht zu erwarten gewesen und kommt auch nach der Verpflichtung von Tayfun Korkut überraschend (wenn man die bisherige Bilanz unseres Trainers im Hinterkopf hatte). Aber der Erfolg ist aktuell nunmal da.

Die nach außen hin wohl augenfälligste Veränderung ist die Konstanz in der Mannschaftsaufstellung, die unter Korkut Einzug gehalten hat. Vorbei sind die Zeiten, als der Mannschaftskader und auch die Aufstellung unter Hannes Wolf jede Woche aufs neue zusammengestellt wurden, um individuell auf den Gegner zu reagieren. Ein im Ansatz durch aus richtiger Gedanke, der aber leider nur selten wirklich gegriffen hat. Jetzt kann man sich, von Verletzungen mal abgesehen, auf den Kader und sogar auch die Auswechslungen (inklusive deren Zeitpunkte im Spiel) verlassen. Das hat den Effekt, dass sich über die letzten Spiele eine Mannschaft gefunden hat, die zunehmend besser zusammen funktioniert und die Spiele auch durch ihren Zusammenhalt für sich entscheiden kann. Natürlich muss man sich die Frage stellen, ob nun alleine die unveränderte Mannschaftsaufstellung dafür verantwortlich ist, dass diese Geschlossenheit entstanden ist und zum Beispiel auch die Laufleistungen wieder nach oben gegangen sind. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass da durch den Trainerwechsel eine interne Dynamik unterbrochen wurde, die sich da eventuell über einen gewissen Zeitraum aufgebaut hat. Das kann (und sollte) man hinterfragen, aber auch hier gilt erst mal: Wer Erfolg hat, hat zumindest für den Moment recht.

Eine Kehrseite dieser Herangehensweise gibt es allerdings auch, denn einige Spieler des Kaders kommen aktuell gar nicht mehr zum Zug oder haben nur ein paar wenige Einsatzminuten. Dies trifft vor allem die jüngeren Spieler, da aktuell der Fokus vor allem auf Erfahrung liegt. Manche dieser Spieler werden den VfB im Sommer verlassen (egal ob aufgrund auslaufender Leihen oder fehlender Perspektive), andere wie zum Beispiel Berkay Özcan sind aber vertraglich gebunden und werden natürlich schauen müssen wo sie bleiben. Dies alles zu moderieren ist sicherlich eine DER Herausforderungen für Reschke und Korkut. Mal schauen, wie sie das hinbekommen.

Zugegeben: Der VfB bietet dem geneigten Zuschauer kein Fußballfest. Vielmehr sind die Spiele vor allem durch starke Abwehrleistungen als durch Offensivaktionen geprägt. Und ja, manchmal ist auch einfach Glück mit dabei (die Tore gegen Köln fallen so auch nicht oft). Aber auch hier gibt der Erfolg Tayfun Korkut erst mal recht und bringt den VfB auf diese Weise dem Saisonziel „Klassenerhalt“ Schritt für Schritt näher. Und dabei greift aus meiner Sicht auch das Argment NICHT, nachdem die jeweiligen Gegner gerade immer in dieser Partie ihren schlechten Tag erwischt haben. Nach 7 Spielen und 17 Punkten muss doch der VfB doch offensichtlich etwas richtig und die Gegner etwas schlechter machen. Ziehen die Brustringträger die Gegner immer auf das eigene Niveau? Oder sind es am Ende immer die paar Prozent mehr, die Stuttgart in den entscheidenden Situationen bringen kann? Wahrscheinlich ist es eine Mischung von beidem, der VfB hat aber auf jeden Fall seinen aktiven Anteil daran. Und wenn man der Einschätzung der Mannschaft und des Trainers folgen will, dann ist durch eine ständige Verbesserung der Gesamtordnung durchaus auch eine positive Entwicklung erkennbar, die es dem VfB ermöglicht, die Gegner schon früher unter Druck zu setzen und nicht nur in der eigenen Hälfte eingeschnürt zu sein. Und solange Mario Gomez seine Tore schießt reicht es eben. Jonas Bischofsberger hat auf VfBtaktisch.de eine schöne Analyse zu der Entwicklung unter Tayfun Korkut gemacht, unbedingt mal reinschauen!

Auch sehr positiv ist die Tatsache, dass man in der letzten Zeit von Seiten des Vereins nur noch sehr wenig gehört hat. Das kann im Rückblick auf manches Interview in der Vergangenheit nur gut sein und führt zu einer deutlichen Entspannung in den Diskussionen rund um den Verein. Eine Ausnahme ist der „VfB im Dialog“ in der Kabinen-Edition, in der Tayfun Korkut zu allen möglichen Themen befragt wurde. Wie zu erwarten, hat der Trainer wieder einen sehr ruhigen, abgeklärten und auch sympathischen Eindruck hinterlassen:

Trotz all dem Positiven gilt es natürlich weiterhin genau darauf zu schauen, was beim VfB so passiert. Die aktuelle Situation ist nur eine Momentaufnahme, der Erfolg ein fragiles Gebilde und die Nachhaltigkeit muss sich dann in der Sommerpause und v.a. in der kommenden Saison erst beweisen. Auch die Vereinspolitik ist spätestens seit der Ausgliederung immer einen sehr genauen Blick wert und sollte nicht aufgrund der aktuell sportlich positiven Situation aus dem Blickfeld geraten.

Für heute wollen wir uns aber mal an dem Umstand erfreuen, dass wir Fans des VfB sehr wahrscheinlich das erste Mal seit Jahren einem relativ entspannten Saisonfinale entgegensehen.