Atmosphärische Störungen

Mensch, war das toll, als unmittelbar nach dem Ende der vergangenen Saison in einer Pressekonferenz wichtige Neuzugänge verkündet werden konnten und man so schon fast den Kader zusammen hatte. Klar gab es auch danach noch Veränderungen, dabei handelte es sich aber überwiegend um Abgänge und es mussten nicht noch kurz vor Schluß massenhaft Spieler integriert werden. Das wird eine Vorbereitung unter Top-Bedingungen und die Vorzeichen stehen (auch wegen der Verpflichtungen) gut. Dachten zumindest sehr viele. Und ja, die Vorbereitung war nicht so schlecht (keine Niederlagen in den Testspielen, keine Verletzungen). Aber dann kam es, wie es bei VfB wohl immer kommen muss: Drei Pflichtspiele, keine Tore und null Punkte.

Ja, man sich das irgendwie alles noch erklären und herleiten wenn man will (und gnadenlos optimistisch ist). Oder aber auch nicht:

Ich finde es tatsächlich sehr beunruhigend, was sich gerade alles rund um den VfB tut (und damit meine ich mal nicht die Aktivitäten des Vereins/der AG – dazu an anderer Stelle mehr). Denn schon vor, während und nach dem dritten Pflichtspiel sind atmosphärische Störungen zu beobachten.

  • Tassos Donis wird ausgewechselt und gibt später zu Protokoll, dass er dies als „unfair“ empfunden hat. Die Auswechslung im Stadion wird von Pfiffen der Zuschauer begleitet, die sich nicht gegen den Spieler, sondern den Trainer richten.
  • Mario Gomez sagt im Interview, dass die Mannschaft mental nicht richtig eingestellt ist und man noch zu sehr den Erfolgen der letzten Rückrunde hinterherhänge. Wenn das so ist, dann läuft da aber gewaltig etwas schief!
  • Trainer Korkut ergeht sich in Pressekonferenzen in „Wenn …, dann …“-Aussagen („Wenn wir das erste Tor schießen, dann …“) und bringt so ebenfalls nicht unbedingt Zuversicht in die Runde
  • Allgemein kann man in der Öffentlichkeit nicht unbedingt den Eindruck gewinnen, dass die Niederlagen gegen Rostock und Mainz beim VfB zum ernsthaften Nachdenken angeregt haben. Der Tenor war irgendwie „Rostock war doof, Mainz kann halt mal passieren“. Nee, kann es nicht!!

Und so sind wir erst Anfang September, gefühlt aber schon im Oktober oder November. Den Monaten also, in den regelmäßig die Trainer-Blätter von den Stuttgarter Bäumen fallen und die Stimmung insgesamt meist am Tiefpunkt ist. Nicht falsch verstehen: Ich will auf gar keinen Fall eine Entlassung von Korkut herbeischreiben oder gar fordern. Es gilt schon auch noch etwas Ruhe zu bewahren und allen Beteiligten noch Zeit zu geben, in der neuen Saison anzukommen. Allerdings muss es jederzeit gestattet sein, kritische Fragen stellen zu dürfen und sich sachlich mit den Geschehnissen auseinanderzusetzen. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft tatsächlich? Kann Trainer Korkut frei über Spielweise und Aufstellung entscheiden oder ist er hier an „Vorgaben“ gebunden? Müsste die Mannschaft, gemessen an der Vorbereitung mit dem kompletten Kader, nicht schon weiter sein? Wie können die offensichtlich vorhandenen Defizite (z.B. Tore!) möglichst schnell behoben werden? Und so weiter …

Ich hoffe sehr, dass die für mich wahrnehmbaren atmosphärischen Störungen schnell wieder ausgeräumt werden können. Dabei hilft natürlich vor allem sportlicher Erfolg, aber auch die Außenwirkung sollte überdacht und verbessert werden. Die Fans haben am Samstag mit der Karawane und der Unterstützung im Stadion ihren Teil eingehalten. Jetzt sollte dann die Mannschaft auch endlich liefern!