Konstant schonungslos

Und wieder hat sich das Trainerkarussell beim VfB weiter gedreht. Zum Glück sage ich, denn die aktuelle Situation ist nochmal ein weiterer Rückschritt zum Beispiel im Vergleich zur Entlassung von Hannes Wolf. Offenbar wurde „schonungslos analysiert“ und am Ende ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass das „schwierige Umfeld“ schon vor Monaten aber vor allem in den letzten Wochen schon kannte.

Es sollte daher eine allgemein verfügbare Erkenntnis sein, dass Tayfun Korkut keinen Plan und keine Vision für die Mannschaft hatte, in der letzten Saison noch viel mehr vom Glück (und der Vorarbeit von Wolf) profitiert hat als man es sich im Verein vielleicht eingestehen wollte und jetzt am Ende ganz offensichtlich auch überhaupt gar keinen Lösungsansatz mehr parat hatte (dauernd wechselnde Aufstellungen und Spieltaktiken sprechen da eine deutliche Sprache). So weit, so schlecht. Auf dem letzten Tabellenplatz angekommen kann es nun nur darum gehen die richtigen Schlüsse zu ziehen und adäquat zu handeln. Und mit „adäquat“ meine ich, dass jetzt KEIN Feuerwehrmann her muss, sondern ein Trainer, der hier wirklich etwas aufbauen kann. Denn …

Zugegeben, dass ist als Tabellenletzter eine schier unlösbare Aufgabe, die Michael Reschke nun auf dem Tisch hat. Die Attraktivität des VfB dürfte alles in allem mal wieder am unteren Ende der Skala angekommen sein. Am Ende wird man da vielleicht den Geldbeutel in ähnlicher Weise aufmachen müssen, wie man es bei Spielern schon gewohnt ist. Ich bin jetzt wirklich sehr gespannt, ob Reschke professionell vorgegangen ist und schon einen Trainer an der Hand hat. Wenn er nicht auch schon vor Wochen gesehen hat, dass es hier in die falsche Richtung läuft, dann ist er für mich auch fehl am Platze. Dass der Verein nun mit dem Narrativ durch die Lande tingelt, dass Korkut in der Rückrunde eine so tolle Leistung abgeliefert hat, spricht allerdings nicht unbedingt dafür (man will sich vielleicht aber vielleicht nur selbst schützen). Ganz klar ist aber, dass Reschke so oder so einen Fehler gemacht hat. Entweder, er hat dem Trainer eine falsche Mannschaft zusammengestellt, oder er hat den falschen Trainer für seine Vorstellungen behalten. Auch das ist zu diskutieren.

Der beste Trainer wird aber auch keine Chance haben, wenn weiter die offensichtlich vorhandenen Strukturen beim VfB Bestand haben. Ich bin mir nicht sicher, ob das von intern überhaupt zu analysieren ist oder ob eben die Seilschaften viel zu stark sind oder zu weit gehen, um hier tiefgreifende Veränderungen zu erkennen und anzugehen. Wenn man sich aber die letzten zehn Jahre anschaut, dann muss man schon nach Konstanten suchen, die es einer Vielzahl von Trainern unmöglich gemacht haben, in Stuttgart zu arbeiten. Präsidenten und Sportvorstände können es fast nicht sein, denn auch davon haben wir zur Genüge gehabt. Es muss also Strukturen im Hintergrund geben, die die Geschicke des Vereins aus dem Verborgenen heraus lenken und beeinflussen. Das aufzubrechen wird sich wahrscheinlich, so hart es kling, nur irgendwann biologisch lösen lassen, denn keiner wird hier von seinem Einfluss ablassen wollen.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es ein wirklich ganz neuer VfB unter der Führung von Thomas Hitzelsperger. Einen Verein, der eine Haltung hat, der professionell in allen Belangen arbeitet und nach und nach wieder eine wirklich gute Adresse im deutschen Fußball wird.

Aber auch in der Mannschaft muss man nach Konstanten suchen ((ja zugegeben, jetzt wird es sehr spekulativ). Hier kristallisiert sich für mich in der Außensicht zunehmend heraus, dass es eine Gruppe von Spielern geben muss, die ebenfalls sehr aktiv darüber entscheiden, inwieweit man dem Trainer folgt oder eben nicht. Und wie sehr neue Spieler in die Mannschaft reinkommen oder eher außen vor bleiben. Die offensichtliche Personalie ist hier sicherlich der Mannschaftskapitän Christian Gentner. Ein Spieler, der sich sicherlich viel um den Verein verdient gemacht hat, der aber für mich einer der Motoren für die Mannschaftsleistung und -einstellung ist. Wenn er den Daumen senkt, dann geht für den Trainer nichts mehr. Auch angesichts der nachlassenden sportlichen Leistungen ist es hier für mich an der Zeit, zum Ende der Saison eine Veränderung herbeizuführen und den Vertrag nicht mehr zu verlängern (ich bin mir nicht mal sicher, ob ich ihn überhaupt noch im Verein sehen will. Von wegen Seilschaften und so …).

Und ganz zum Schluß möchte ich noch einem zugegeben vielleicht niedrigen Instinkt nachgeben und ein herzliches „F..k you“ an all die arroganten Dummschwätzer senden, die bei der Verpflichtung von Korkut und in den folgenden Monaten immer wieder das „schwierige Umfeld“ angegriffen haben und dies auch jetzt nach der Entlassung noch tun. „Wir“ hatten recht, „Ihr“ nicht.