Wer bist Du, VfB? (Revisited)

Ich erkenne „meinen“ VfB nicht wieder. Was ist im letzten Jahr nur mit dem Verein geschehen?

Im Februar hatte ich mir schon mal die Frage gestellt: „Wer bist Du, VfB?„. Und auch schon damals bin ich nicht wirklich auf eine Antwort gekommen, auch wenn es sich dabei eher auf den „Markenkern“ des VfB bezog. Aber das es so vor allem sportlich dermaßen bergab gehen würde, das habe ich auch zu Beginn des Jahres nicht gedacht.

Wir erleben aktuell, wie einem Verein die Fallhöhe, die er selbst geschaffen hat, ganz extrem auf die Füße fällt. Zunächst hat man sich im Verein von einer mit viel Glück sehr positiv verlaufenen Hinrunde blenden lassen, mit dem Trainer verlängert und sich darauf aufbauend auch schon als am „Ende der Abwärtsspirale“ gesehen. Der Kader stand schon sehr früh, man hat eine ordentliche Vorbereitung gemacht und der Rest sollte, inklusive euphorischer Jubiläumsfeierlichkeiten, dann von alleine kommen. Vielmehr ist es aber so, dass jedes Spiel mehr, jede weitere verstrichene Woche einem Offenbarungseid des gesamten Vereins gleicht.

Ich wollte an dieser Stelle eigentlich einen langen Absatz darüber schreiben, wie genau man sich aktuell dann doch mal die Arbeit von Michael Reschke in Bezug auf die Kaderplanung anschauen sollte (ja auch ich dachte vor der Saison, dass man da ganz ausgewogen eingekauft hätte). Oder in Bezug auf die Besetzung des so wichtigen Trainerpostens zu Beginn des Jahres. Oder die vielen – außer heutiger Sicht maßlos arroganten – Äußerungen von ihm und dem Präsidenten in Bezug auf das Abschneiden der Mannschaft. Aber ehrlich, dass langweilt doch nur noch.

Und genau DAS ist mein Punkt: Die Vereinsführung hat es geschafft, dass zunehmend mehr Menschen der VfB egal wird. Man sich über Niederlagen nur noch kurz ärgert, sich dann aber mit einem Achselzucken abwendet. Man nur noch mäßig emotional beteiligt im Stadion hockt oder steht und sich das Spiel anschaut. Ich habe mich schon über Tore nicht mehr wirklich jubeln sehen … Natürlich ist die Stimmung in einem Sportverein immer mit den Erfolg oder Mißerfolg verbunden. Und da werden wir nun mal aktuell wirklich nicht verwöhnt. Aber selbst in der abgelaufenen Saison konnte ich trotz der Siege schon beobachten, wie es bei mir und anderen so ganz langsam abwärts ging. Denn wenn es schon von den Ergebnissen her nicht stimmt, dann sollte es im Verein wenigstens Personen geben, die trotzdem spürbar etwas erreichen wollen und Fans und Mitglieder auch mal in schweren Zeiten mitreißen. Der VfB hat an diesen Positionen aber nur Dampfplauderer sitzen, die sich auf der Sympathie-Skala ganz unten befinden und eher noch dazu beitragen, dass man immer häufiger nur noch den Kopf über den VfB schüttelt (erfreuliche Ausnahme: Thomas Hitzelsperger, der allerdings auch für das NLZ „abliefern“ muss). Ein Wolfgang Dietrich ergeht sich in Platitüden und „erwartet“ Dinge von der Mannschaft. Das diese dann nicht liefert, sollte nicht nur ihm über seinen Durchgriff zu denken geben. Michael Reschke war noch nie ein Meister der Außendarstellung und taugt so auch nicht zum Sympathieträger. An wem soll man sich also aufrichten? Ich sehe aktuell im Verein niemanden.

Und so fließt schleichend ein Gift durch die Adern des Vereins, ein Gift mit dem Namen „Gleichgültigkeit“. Und das ist wirklich das Schlimmste, was dem VfB passieren kann. Das hat auch nichts mit dem so oft zitierten „schwierigen Umfeld“ (einen Begriff den ich abgrundtief hasse) zu tun, sich darauf zurückzuziehen wäre reine Verblendung. Wie bitte? Das hat man im Verein schon mehr oder weniger subtil getan? Achso, na dann …

Dazu passt ja auch, das die Fans ja eigentlich nur noch „Kunden“ sind, die vor allem eines bringen sollen: Geld. Aus Ticketverkäufen, aus Merchandising und als Mitgliedsbeitrag (oder warum will der VfB sonst so viele Mitglieder). Und selbst wenn dies die Strategie im Verein ist sollte man sich doch langsam mal Gedanken darüber machen, wie man die Kunden nicht noch weiter verprellen will. Oder potentielle Investoren. Vielleicht haben sie in China noch gar nicht mitbekommen, wie schlecht der VfB aktuell dasteht.

Apropos Strategie: Wie sieht die eigentlich im sportlichen Bereich aus, Herr Reschke (das ist doch Ihre Zuständigkeit, oder?)? Bis Mitte vergangenen Jahres hatte man zumindest eine Richtung, in die man gehen wollte. Gibt es so etwas jetzt auch? Ich kann leider gar nichts erkennen. Wäre ja vielleicht wichtig. Aber was weiß ich ahnungsloser Vollidiot schon …


An dieser Stelle möchte ich übrigens Markus Weinzierl explizit aus diesem Rant ausnehmen. Er hat eine kaputte Mannschaft übernommen und muss nun Schritt für Schritt mit den Spielern arbeiten. Wunder kann er aber keine verbringen. Er braucht Zeit und die soll er auch bekommen.