Geduld? Geduld! Und ganz viel Hoffnung …

Wollen wir nicht lange drumherum reden: Die Situation ist verfahren. Sportlich sind wir mal wieder am Tiefpunkt angekommen (hoffentlich) und unter diesem Trend leidet der gesamte Verein und sein Umfeld. Die Bundesliga macht aktuell so viel Spaß wie schon lange nicht mehr (sagen zumindest viele), uns VfB-Fans wird dies aber leider vorenthalten. Und auch wenn ich mir erst vor ein paar Tagen Luft machen musste, so bin ich im Grunde doch ein (unverbesserlicher?) Optimist und deshalb gibt es Dinge, die mir ein bisschen Hoffnung machen. Der Versuch einer Erklärung:

Tatsächlich gründet sich dies zu einem großen Teil auf unseren neuen Trainer. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger kommt Markus Weinzierl mit einer Vita, die mehr Phantasie für eine Weiterentwicklung der Mannschaft zulässt und die Hoffnung auf einen Wandel im Spiel der Cannstatter nährt. Hoffnung auf ein variableres und (kontrolliert) offensiveres Spiel, dass wieder Spaß macht und die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg erhöht. Noch wichtiger finde ich, dass Weinzierl aber auch wieder einen anderen Geist in die Mannschaft bringen kann (und auch muss), weg von der Ängstlichkeit und wieder hin zu mehr Mut und gesunder Aggressivität. Bisher macht Markus Weinzierl einen sehr gefestigten Eindruck auf mich, nennt Dinge beim Namen und strahlt dennoch eine gewisse Ruhe aus. Es ist natürlich völlig klar, dass der Trainer nicht innerhalb von wenigen Wochen ein Wunder vollbringen und die Mannschaft komplett umkrempeln kann. Erste Ansätze waren in den beiden Spielen zu sehen, dass der VfB im Herbst 2018 aber ein sehr fragiles Gebilde ist lässt sich an den hohen Niederlagen leicht ablesen. Dass Weinzierl eine Phase ohne Anstellung hinter sich gebracht hat stellt in Kombination mit den Erfahrungen aus den vorherigen Stationen aus meiner Sicht ebenfalls einen Pluspunkt dar. Seine zur Schau gestellte Gelassenheit gründet sich sicherlich auch auf dieser Auszeit, die ihm möglicherweise wertvolle neue Perspektiven eröffnet hat. Ich muss auch sagen, dass ich die zwei Niederlagen trotz der Höhe und des Zustandekommens nicht als Hypothek für den neuen Trainer sehe (Gründe siehe oben). Er braucht einfach Zeit und die soll er auch bekommen (eine Zeit, die ich auch nicht in Spielen bemessen mag).

Ein Teil der Hoffnung kommt auch aus den reinen Eintrittswahrscheinlichkeit von Ereignissen. Irgendwann MUSS es einfach mal so kommen, dass der VfB wieder das erste Tor schießt. Sich daran ein bisschen aufrichten und das Spiel aus dieser Position heraus gestalten kann. Genauso wie auch der nächste Sieg kommen wird. Und danach noch einer. Dinge also, die die Dynamik in der Mannschaft deutlich zum Positiven hin wenden und ein „Momentum“ erzeugen können. Nun ist es aber natürlich nicht so, dass mit dem nächsten Tor oder Sieg dann alles von alleine läuft. Jeden kleinen Schritt muss sich der VfB hart erarbeiten und um jeden Meter kämpfen. Das muss zunächst jeder Spieler für sich tun und sich hinterfragen, warum die Leistung diese Saison weit unter den Erwartungen liegt (das tun sie bestimmt als Profis auch schon). Aber auch die Mannschaft als Kollektiv muss an den Ursachen für die Zerfallserscheinungen der letzten Spiele arbeiten. Insgesamt ist dies natürlich in der Gruppe ein sehr dynamischer und komplexer Prozess, der nicht von heute auf morgen zu stemmen ist. Und auch wenn wir leider schon wieder in der Situation sind, dass dem VfB die Zeit langsam davonläuft, ist eine Wende mit diesem Trainer meiner Erwartung nach zu schaffen.

Gegen Dortmund und Hoffenheim hat es (noch) nicht geklappt. / Bild via vfb-bilder.de (Ute)

Einen Dämpfer erhält mein zartes Pflänzchen der Hoffnung allerdings weiterhin durch das Auftreten der verantwortlichen Personen beim VfB. Und dabei will ich mich jetzt nicht nochmal auf irgendwelche Aussagen stürzen oder darauf abzielen, wie sehr diese Personen meiner Meinung nach dem Verein in seinem Zusammenhalt schaden. Mich beschleicht viel mehr zunehmend das Gefühl, dass man in den Führungsgremien eben NICHT weiß, was in dieser Situation zu tun ist. Wolfgang Dietrich war vergangenen Sonntag im Doppelpass auf Sport1 zu Gast und musste sich dort vielen Fragen und Vorwürfen von allem von Oliver Trust stellen. Man kann nun sicherlich darüber streiten, ob Form und Inhalt der Auslassungen von Herrn Trust angemessen waren und ob Dietrich da gut oder schlecht ausgesehen hat. Die beste Gelegenheit wirklich in die Sache einzusteigen, hat die Runde aber meiner Meinung nach leider ausgelassen als Wolfgang Dietrich sinngemäß sagte: „Wir wissen was jetzt zu tun ist“. Warum hat man da nicht nachgefragt und konkrete Antworten eingefordert? Wäre das nicht viel zielführender gewesen, als zum Beispiel über Sportkompetenzen in Gremien zu streiten? Zielführend auch deshalb, weil ich nicht glaube, dass Dietrich diese Frage nicht wirklich hätte beantworten können. Ich vermute stark, dass man sich an dieser Stelle wieder sehr darauf verlässt, dass der Trainer das schon (irgendwie) richten wird. Nicht dass ich das Markus Weinzierl nicht für den Moment zutraue (siehe oben). Das ist aber letztendlich natürlich kein tragfähiges Modell für die Zukunft und auch nicht seine Aufgabe. Dafür gibt es den Sportvorstand, der eben nicht nur für die Kaderplanung zuständig ist.

Und trotz alldem plädiere ich also für mehr Geduld. Geduld, die alle im und um den VfB nun beweisen müssen. Geduld, die hilft, dem Trainer und der Mannschaft die notwendige Zeit zu geben. Geduld, die bei Präsident und Vorstand nicht schon wieder einen Anlass für Aktionismus gibt. Geduld, die wahrscheinlich vielen Fans auch persönlich gut tut (wir müssen doch an unser Herz denken!). Ja das ist nicht einfach und es gibt nicht wenige, die den VfB derzeit wieder in einer unaufhaltbaren Abwärts-Spirale sehen. Kann ich auch nachvollziehen! Und natürlich muss es nach einem Spiel erlaubt sein, sich kritisch über das Gesehene zu äußern (positiv wie negativ, wenn möglich aber immer konstruktiv). Darüberhinaus darf einen die Geduld natürlich auch nicht blind machen für das, was beim VfB schief läuft. Wieder sehenden Auges aber ohne zu Handeln in den Abgrund zu taumeln möchte schließlich niemand. Das hatten wir schon, auf eine Wiederholung kann gerne verzichtet werden. Wir brauchen also in vielem das richtige Maß. Und das ist beim VfB manchmal verdammt schwer zu finden, ich weiß …

Natürlich werde auch ich mich bei entsprechend schlechten Leistungen des VfB wieder aufregen. Manches Wort wider besseren Wissens auf die Goldwaagen legen und mich über Dietrich und Reschke echauffieren. Und am Ende dann doch vielleicht eingestehen müssen, dass die Hoffnung umsonst war und die Stuttgarter die Wende nicht geschafft haben. Aber sei´s drum: Bis dahin werde ich mir meinen Grund-Optimismus nicht nehmen lassen. Schon gar nicht vom VfB!

Lese-Empfehlung: Bernd Sautter hat bei den Liga-Propheten über Zufälle und Glück im Zusammenhang mit dem VfB geschrieben und warum Trainerwechsel ja eigentlich gar nix bringen.