Emotionale Achterbahnfahrt

Eigentlich war die Geschichte des Spiels gegen die Hertha aus Berlin nach 94 Minuten geschrieben. Einer Partie, in deren erster Hälfte der VfB mal wieder eine ganze schwache Leistung ablieferte und durch den ersten ernsthaft ausgespielten Konter der Berliner in Rückstand geriet. Einer Partie, die dann in der zweiten Halbzeit nach einer kurzen Anlaufphase einen veränderten VfB sah. Der plötzlich Mut zu fassen schien und tatsächlich nach vorne auf das Tor des Gegners spielte. Mit zunehmender Zielstrebigkeit und am Ende mit zwei erlösenden Toren von Mario Gomez. Toren, die den letztendlich verdienten Heimsieg und drei wichtige Punkte im Abstiegskampf bedeuteten.

Dann jedoch verbreitete sich schnell die Nachricht vom Zusammenbruch und späteren Tod von Herbert Gentner, dem Vater unseres Kapitäns Christian. Und zumindest für mich an diesem Moment das Spiel dann komplett unwichtig. Es ist immer schlimm wenn ein geliebter Mensch stirbt und oft gibt es dafür nicht den richtigen Zeitpunkt oder Ort. Wenn ich mir aber vergegenwärtige, in welcher emotionalen Situation sich Christian Gentner befunden haben muss, dann wird dies in diesem Fall nochmal tragischer.

Ich selbst war wie oben geschrieben schon emotional ausgelaugt, Gentner war aber in jedem Punkt ja Teil des Geschehens und daher noch viel näher dran. Dass das Ganze dann auch noch ausgerechnet im Stadion im unmittelbaren Umfeld dessen passierte, was Christian Gentner sehr viel bedeutet, ist ein trauriger Nebenaspekt. Ich wünsche der ganzen Familie Gentner auf jeden Fall viel Kraft in dieser schweren Zeit! Der Verein und die Fans des VfB stehen hinter euch.

Trotz alledem noch ein paar Sätze zum Spiel.

Aufgrund der vielen Verletzten und des gesperrten Eric Thommy war klar gewesen, dass der VfB mit eine, stark dezimierten Kader würde auflaufen müssen. Die Startelf enthielt dennoch mit Chadrak Akolo eine Überraschung, den viele hatten mit dem Torschützen des letzten Heimspiels Donis gerechnet, der allerdings zunächst auf der Bank Platz nahm. Für Akolo hat es mich tatsächlich sehr gefreut, endlich mal wieder zum Zug zu kommen. Ich finde, dass er seine Sache dann insgesamt auch ganz ordentlich gemacht hat, auch wenn ihm zwingende Situationen oder gar ein Tor verwehrt blieben. Allerdings hat er durchaus über Strecken Alarm auf seiner Position gemacht und hat tatsächlich auch mal versucht über Dribblings und Einzelaktionen Schwung in das ansonsten wieder eher langsame Spiel des VfB zu bringen. Wie oben schon geschrieben war die erste Halbzeit insgesamt eher wieder zum Vergessen, es gelang kaum etwas. Torchancen suchte man vergeblich. Das Tor der Hertha war nicht unbedingt zwingend aber auch nicht unverdient. Auf jeden Fall war überhaupt nicht damit zu rechnen, dass der VfB dieses Spiel noch würde drehen können.

Genau dies geschah dann aber in der zweiten Halbzeit. Ob es die Ansprache in der Pause war oder sich die Mannschaft selbst einen Ruck gegeben hat ist letztendlich egal. Auf jeden Fall begann der VfB nach einer kurzen Anlaufphase tatsächlich zielstrebiger und mit mehr Druck nach vorne zu spielen. Die Berliner fanden zunehmend weniger Zugriff auf das Spiel, sodass die Cannstatter nicht nur optisch zunehmend überlegen wirkten. Indiz dafür sind die beiden Tore, die tatsächlich einigermaßen planvoll herausgespielt und nicht nur Zufallsprodukt waren. Das Mario Gomez beide Tore schoß ist einer der Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Insgesamt war so der Sieg nicht mehr gefährdet und zumindest aufgrund der zweiten Hälfte auch absolut verdient. Sehr gefreut hat mich dann auch die Einwechslung von Sosa, der noch eine ganz gute Chance hatte und spürbar motiviert in das Spiel ging. Eigentlich also ein Nachmittag, der den VfB-Fan sehr versöhnlich hätte stimmen können. Eigentlich …

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