Ratlos

Sonntag, 3. Februar 2019, kurz vor 18 Uhr. Zum Glück ist es nicht ganz so kalt heute und es regnet nicht, aber angenehm ist was anderes. Das Stadion ist nur mäßig gefüllt, bis auf die Canstatter Kurve gibt es überall größere Lücken, auch neben mir bleiben Plätze frei.

Ein Blick auf die Tabelle macht klar, dass der VfB heute anfangen muss zu punkten, um nicht ganz den Anschluss an Platz 15 zu verlieren (der realistischer Weise eigentlich nur noch das Ziel sein kann). Und weil es heute einfach klappen muss, gehe ich mit einer leisen Hoffnung in das Spiel. Hoffnung darauf, dass die Mannschaft endlich kapiert hat, was Sache ist und den Kampf annimmt.

Das sollte für jeden auf dem Platz eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein …

In den Minuten vor Spielbeginn zeigt sich schon, was später auch während der Partie deutlich werden wird: Heute läuft wenig bis gar nichts zusammen. Erst fällt das Display über der Cannstatter Kurve aus, dann verhunzt man auch noch die Mannschaftsaufstellung. Einziger Höhepunkt ist das Bekenntnis gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Rahmen der Aktion „Nie wieder“ (auch wenn ich mir dazu gewünscht hätte, dass das ganze Stadion angeführt von der Kurve mit Nachdruck „Nazis raus“ skandiert).

Der VfB begann mit Anpfiff schwungvoll und erarbeitete sich auch direkt im ersten Angriff eine gefährliche Situation vor dem Freiburger Tor. Zwei Minuten später stand es dann 1:0 für die Breisgauer, die in ihrem ersten Spielzug gleich in Tor erzielen konnten. VfBusiness as usual also und ein herber Dämpfer für alle Hoffnungen. Fassungslos muss man dann weiter mitverfolgen, wie sich die Freiburger kompakt zurückziehen, der VfB das Spiel machen muss und damit oft aufgrund fehlender Ideen oder Bewegung im Spiel scheitert. Das Zuschauen ist schon schwierig, für die Fan-Seele ist es zunehmend grausam. Das (schwierige!) Publikum pfeift teilweise, ich kann es vor Ort irgendwie nachvollziehen.

Als Emiliano Insua in der zweiten Halbzeit den Ausgleich schießt nehme ich das unbewegt hin, verspüre keine wirkliche Freude. Zu sehr hat mich die Leistung bis dahin schockiert und sicher gemacht, dass der VfB das sowieso nicht wird halten können. Die Führung durch Daniel Didavi kommt daher überraschend und ist wie Wasser auf das zarte Pflänzchen der Hoffnung. Geht hier doch noch was? Kann sich der VfB am eigenen Schopfe aus dem Sumpf der schlechten Leistung herausziehen? Kann er nicht, denn in Überzahl erhöht Freiburg in den letzten Minuten nochmal das Tempo und kommt so noch zum Ausgleichstreffer. Und da ist es dann wieder, das ganze Elend des VfB.

Sonntag, 3. Februar 2019, 20 Uhr. Das Spiel ist vorbei, der VfB hat einen Punkt gewonnen, wenn auch aufgrund der Spielweise nicht wirklich verdient. Wie leider schon seit Wochen/Monaten bleiben auch nach diesem Match mehr Fragen offen als dass welche beantwortet werden: Wo ist die Spielidee? Wo sind die Automatismen? Kennen die Spieler ihre Laufwege (und die der Mitspieler)? Wie sollen zukünftig (gegen noch bessere und/oder schnellere) Mannschaft die einfachen Gegentore verhindert werden? Und ist das da auf und neben dem Platz wirklich noch ein Team oder zerfällt die Truppe langsam?

Den Heimweg trete ich mal wieder sehr ernüchtert und auch ratlos nach einer gefühlten Niederlage an. Indifferenz macht sich breit und muss bis zum nächsten Spieltag irgendwie wieder in die oben erwähnte Hoffnung umgewandelt werden. So wie jede Woche. Und jedes Mal wird es ein bisschen schwerer.

Ja, möglicherweise lässt mich dieses Gefühl Dinge negativer sehen als sie sind. Vielleicht muss man der Mannschaft wirklich anrechnen, dass sie das Spiel kurzzeitig drehen konnte. Dass man die Herausforderung der kompakten Abwehr angenommen und mit zwei Toren aus dem Spiel heraus gelöst hat. So oder so ist das Ergebnis am Ende aber trotzdem ernüchternd und deshalb fällt es mir eben zunehmend schwer, das Gute im Schlechten zu sehen. Und Besserung ist halt weiter nicht in Sicht.

Nach dem Spiel hat das Commando Cannstatt noch einen sehr lesenswerten Text zur Situation im Verein veröffentlich.