Teufelskreise

Als Teufelskreis, auch lateinisch circulus vitiosus („schädlicher Kreis“) oder Abwärtsspirale, wird ein System bezeichnet, in dem mehrere Faktoren sich gegenseitig verstärken und so einen Zustand immer weiter verschlechtern. (Quelle: Wikipedia)

Dass der VfB nunmehr seit Jahren in einem Teufelskreis steckt ist offensichtlich und auch heuer schafft man es weiterhin nicht, daraus nachhaltig auszubrechen. Dabei sind es bei genauerer Betrachtung sogar mehrere Teufelskreise, in denen sich die Stuttgarter befinden. Hier mal drei davon:

Struktur

Spätestens mit der Ausgliederung ist beim VfB eine nachhaltige Entwicklung systemimmanent verhindert. Ämter- und Aufgabenhäufung, fehlende Kontrollen und Kompetenzen führen dazu, dass alle Beteiligten in ihrer Weiterentwicklung gehemmt sind oder diese sogar gar nicht stattfindet. Dazu kommen dann (im Schaubild nicht dargestellte) Einflüsse von Außen, die ebenfalls zu einer Verschärfung der Lage beitragen können.

Sport

Der Teufelskreis im sportlichen Bereich bei den Profis ist wohl der offensichtlichste und sicherlich auch nicht nur beim VfB zu finden. Allerdings stechen die Stuttgarter schon mit der Vehemenz heraus, mit der es wohl unmöglich ist, daran etwas zu ändern. Und so wechseln zwar viele der Protagonisten, das Grundprinzip bleibt aber leider erhalten.

Umfeld

Ein ganz schlimmer (der schlimmste!) Teufelskreis ist natürlich auch das Verhältnis von Verein/AG zum Umfeld (Fans/Mitglieder/selten auch Medien). Hier schaukelt man sich gegenseitig immer wieder hoch und wird zu ungewollten Handlungen gezwungen. Um dem zu entkommen hat der VfB mittlerweile immerhin Strukturen geschaffen, die eine Einflussnahme von Mitgliedern sehr schwer macht und man so auch besser vor sich hinarbeiten kann. Das wiederum stößt natürlich bei Fans und Mitgliedern auf Unverständnis und ist weiter Grundlage für Unruhe. Die sich dann wieder negativ auf die Mannschaft auswirken und sportlich für den Niedergang sorgen. Das freut dann die Fans nicht …. und so weiter und so weiter …

Und nun?

Die große Preisfrage ist natürlich, wie man eine oder mehrere dieser Abwärtsspiralen durchbrechen kann. Ich will mir nicht anmaßen, dazu die allumfassende Lösung zu kennen und vielleicht gibt es diese ja auch gar nicht. Man kann aber über ein paar Ideen und Ansätze diskutieren und sich so dem Thema nähern. Die untenstehende Liste ist nicht abschließend und folgt keiner besonderen Gewichtung in der Reihenfolge:

  1. Kompetenzbereich „Sport“ neu strukturieren: Spezialisten für die jeweiligen Fachgebiete mit Kompetenz ausstatten und untereinander eng vernetzen; ein System von „Checks and Balances“ einführen, in dem Entscheidungen wohl begründet mit dem Input aller und unter der Maßgabe der zu entwickelnden Gesamtstrategie getroffen werden.
  2. Strategische Weiterentwicklung im Bereich Sport vom Tagesgeschäft unabhängiger machen um übergreifende Ziele formulieren zu können und nicht vom aktuellen Tabellenstand getrieben zu sein.
  3. Die Strukturen in Verein und AG müssen ebenfalls auf das schon erwähnte „Checks and Balances“ hin ausgerichtet werden (warum gibt es z.B. keine Vorstandsvorsitzenden?). Es darf zu keiner Ämterhäufung kommen, Zirkelbezüge in den Gremien müssen endgültig aufgelöst werden. Die Kompetenzen sollen je Position klar definiert sein.
  4. Personen mit Integrität und einem Wertekanon beschäftigen, die sich mit dem Verein identifizieren aber auch als Identifikationsfigur taugen. „Stallgeruch“ ist kein Kompetenzmerkmal, Klüngelei in jeglicher Form schadet dem Verein. Wahrheitsbeugungen haben beim VfB nichts zu suchen!
  5. Klarheit im Jugendbereich schaffen (was ist jetzt mit der U21?), Durchlässigkeit zu den Profis erhöhen, sportliche und persönliche Perspektiven für Jugendspieler schaffen (die Akademie ist ein erster guter Schritt).
  6. Den Verein wieder aufrichtig in Richtung der Fans und Mitglieder öffnen. Ehrlichen Dialog eingehen, auf Augenhöhe miteinander kommunizieren, bestehende Gremien wirklich nutzen oder wieder einführen (siehe z.B. Regionalversammlungen und Zukunftswerkstatt).
  7. Klar, in angemessener Form und zum richtigen Zeitpunkt kommunizieren. Die eigenen Kanäle nicht nur als Marketingschleuder nutzen, sondern relevante Inhalte spielen (das Produkt des VfB ist nicht „besonders gelungenes Marketing“ sondern Fußball!).
  8. Leistungsgedanken fest in allen Bereichen etablieren und leben. Kleine Erfolge nur als einen von vielen Schritten begreifen und das große Ziel nie aus den Augen verlieren.
  9. Persönliche Eitelkeiten haben beim VfB nichts verloren, „der VfB steht über Allem“ darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein.

Viele der genannten Ansätze bedeuten fundamentale Änderungen beim VfB. Änderungen, die an mancher Stelle schmerzhaft sein können, aber mit aller Konsequenz angegangen werden müssen. Die Personen, die dies mittragen, müssen mit dem nötigen Rüstzeug und einer Offenheit ausgestattet sein, um den Umbruch auch wirklich nachhaltig zu gestalten. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen Veränderungen eingeleitet und Ämter neu besetzt werden. Und das lieber früher als später.

Oder um es klar zu formulieren: Sowohl Wolfgang Dietrich als auch Michael Reschke müssen von ihren Ämtern zurücktreten, und zwar jetzt!
Update: Die Personalie Reschke hat sich mittlerweile erledigt.