Charakterfrage

Niveau ist keine Creme und Stil nicht nur der Stock am Besen, wie man so schön sagt. Der Präsident des VfB Stuttgart Wolfgang Dietrich lässt leider zunehmend beides vermissen und so sehr, sehr tief blicken.

„Er war vor seinem Engagement bei uns fünf Jahre ohne Job im Fußball und ist es jetzt seit zwei Jahren auch nicht mehr. Die Nachfrage nach ihm ist offenbar nicht sonderlich groß.“

Via Spox

Die Entlassung von Jan Schindelmeiser ist bis heute in der Öffentlichkeit ungeklärt und während der ganzen Zeit hat man von Jan Schindelmeiser nicht ein einziges Wort zu den Vorgängen gehört. Das man vertragliche Gründe haben oder im Selbstverständnis von Schindelmeiser begründet sein. Egal wie, beide Gründe sollten eigentlich auch für die Gegenpartei gelten und dennoch ist sich Dietrich nicht zu schade, auf absolut niveaulose Art gegen Schindelmeiser nachzutreten. Ganz schlechter Zug!

„Reschke hat öffentlich betont, dass er entscheidend dafür verantwortlich ist, dass man die derzeitige Tabellensituation als dramatisch bezeichnen muss. Nein, Rücktritt ist keine Option für mich.“

Wolfang Dietrich im Reutlinger General-Anzeiger (Paywall)

Michael Reschke hat sicherlich viele Dinge beim VfB falsch gemacht und ist auch zurecht abberufen worden. Trotz alledem war er sich aber nicht zu schade, noch in der Stunde des Abschieds Wolfgang Dietrich den Rücken zu stärken und zu Einheit und Ruhe aufzurufen (und ein paar Tage später auch noch eigene Fehler „einzugestehen“). Und was macht Wolfgang Dietrich, nachdem er monatelang immer wieder betont hat, dass alle Entscheidungen immer gemeinsam und einstimmig getroffen wurden? Er schiebt Reschke die Schuld in die Schuhe und lehnt selbstverständlich jede Konsequenz für ihn selbst ab.

Wolfgang Dietrich ist mittlerweile offensichtlich so dünnhäutig geworden, dass er sich zunehmend schwerer in seinen Äußerungen und im Auftreten kontrollieren kann. Er war sicherlich noch nie ein Kind von Traurigkeit (die öffentliche Bezeichnung eines VfB-Mitgliedes als „Drecksack“ kommt hier in den Sinn), in den letzten Tagen und Wochen hat dies aber eine neue Qualität erreicht. Ich kann mir das nur so erklären, dass der Druck, der nun aus unterschiedlichen Richtungen auf ihn einwirkt, langsam aber sich Wirkung zeigt. Konnte sich Dietrich noch im Bewusstsein seiner „Macht“ über die paar Rufe einer „kleinen Splittergruppe“ aus der Kurve hinwegsetzen, so sind die Angriffe der überregionalen Presse und deutlich breiterer Teile des Publikums und der Mitglieder nicht mehr so einfach zu ignorieren. Außerdem bekommt die schöne Welt, in der man sich mit allerleit wichtigen Leuten und manchmal auch Prominenz umgeben kann, dadurch immer mehr Risse. Und Herrn Dietrich scheint dieser schöne Schein nicht ganz so unwichtig zu sein.

Das Verhalten des Präsidenten zeigt auch, dass trotz aller Lippenbekenntnisse eben nicht der VfB, sondern das eigene Ego über allem steht. An diesem Punkt stellt sich dann die Charakterfrage und die Antwort fällt sicherlich nicht zugusten Dietrichs aus. Zu glauben, dass dies im Umfeld des VfB nicht erkannt oder einfach abgetan werden würde, zeugt von Ignoranz und Arroganz. Jetzt wird deutlich, was schon vor der sehr knappen Wahl zum Präsidenten gesagt wurde: Wolfang Dietrich ist ein Spalter, der sehenden Auges in Kauf nimmt, dass sich Fans und Verein immer weiter voneinander entfernen und Gleichgültigkeit in Bezug auf den Herzensverein Einzug hält. Diese Entwicklung muss unbedingt aufgehalten werden, bevor hier wirklich irreparable Schäden entstehen.

Am Ende stellt sich also die offensichtliche Frage, ob der VfB Stuttgart so einen Präsidenten haben sollte (natürlich nicht!). Und auch, ob denn der zum Beispiel Ankerinvestor oder zukünftige Investoren ihren Invest wirklich so repräsentiert sehen wollen (auch nicht würde ich meinen). Wolfang Dietrich ist spätestens jetzt eine Belastung für den Verein und muss – wenn er schon nicht selbst zurücktreten will – schnellstmöglich mit denen in der Satzung verankerten Mitteln aus dem Amt entfernt werden. Diese Möglichkeiten gibt es entweder über eine Mitgliederversammlung (was aber mit hohen Hürden verbunden ist) oder natürlich auf der MV 2020, wenn eine Wiederwahl ansteht (im Falle, dass WD erneut kandidiert). Mitglieder, macht Gebrauch von den uns noch verbliebenen Rechten!

Nicht vergessen werden darf allerdings auch, dass es dann auch eines alternativen Kandidaten bedarf (oder vielleicht sogar auch deren zwei). Und beim aktuellen Zustand des VfB könnte eine Suche hier sehr schwierig werden …