Meine Rede auf der VfB MV

Im Jahr seit der letzten Mitgliederversammlung des VfB ist so viel zusammengekommen, dass ich mich dazu entschlossen habe, mich heute auf der MV auch zu Wort zu melden. Hier meine Rede im Wortlaut:


Sehr geehrte Dame, sehr geehrte Herren im Präsidium, Vorstand und Vereinsbeirat, liebe Mitglieder,

ich bin lebenslanges Mitglied bei unserem VfB Stuttgart und halte heute meine erste Rede auf einer Mitgliederversammlung. Dass die Abwärtsspirale der letzten Jahre, wie vor Jahresfrist vom Präsidenten gesagt wurde, keine Rolle mehr spielt, kann man allerdings gewiss nicht behaupten.

Heute möchte ich NICHT über die sportlichen Aspekte der desaströsen Abstiegssaison sprechen. Vielmehr möchte ich über die Gründe sprechen, die mich im letzten Jahr zunehmend vom VfB entfremdet haben. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin.

Natürlich spielt der sportliche Misserfolg dabei eine Rolle – zumindest aber bei mir definitiv nicht mehr die größte. Ich bin viel mehr bestürzt und fassungslos über viele Dinge, die mittlerweile in unserem Verein Einzug gehalten haben.

Wir haben einen Präsidenten, der nach seiner äußerst knappen Wahl sagte, der Präsident aller sein zu wollen, davon aber weiter entfernt ist als je zuvor. Der zunehmend mehr polarisiert und die vorhandenen Gräben noch weiter aufreißt. Und so wird die Spaltung zwischen Teilen der Mitglieder und Fans und dem Verein immer größer, die Entfremdung vom VfB greift zunehmend um sich, ein echter Dialog ist mittlerweile komplett abgebrochen.

Sie, Herr Dietrich, fordern zwar diesen Dialog, weichen aber in letzter Konsequenz wiederholt unangenehmen Fragen aus, verstecken sich hinter Alibi-Formaten wie „VfB im Dialog“ oder diffamieren auch schon mal Teile der Mitglieder und Fans über die Presse abfällig als „Krakeeler“. Und wie es der Zufall will erscheinen dann auch in eben jener Presse gefällige Artikel oder im Intranet von Daimler wird zur Ablehnung des Antrages auf ihre Abwahl aufgerufen.

Sachliche Kritik qualifizieren Sie damit herab, in dem Sie hier bewusst nicht differenzieren und lieber das Bild von Internet-Trollen zeichnen (oder zeichnen lassen), die sich hinter der Anonymität des Netzes verstecken um ihre Botschaften zu verbreiten. Herr Dietrich, ich kenne viele Artikel, die sich sehr sachlich mit den unterschiedlichen Aspekten Ihres Wirkens beschäftigen und die von jederzeit erreichbaren Autoren geschrieben wurden – mich eingeschlossen.

Den Themenkomplex „Quattrex“ will ich gar nicht im Detail ansprechen, dazu ist dieser in der Kürze der Zeit zu komplex. Ja, die damaligen Gremien waren vielleicht vor der Wahl zum Präsidenten informiert, für mich steht aber fest, dass zumindest wir Mitglieder im Vorfeld der Wahl eben NICHT über alle Aspekte umfänglich und transparent informiert worden sind. Und auch jetzt im Nachhinein sind noch immer nicht alle Fragen, zum Beispiel die aus dem offenen Brief des Fan-Ausschusses, beantwortet. Formal mag in dieser Sache alles seine Richtigkeit haben, auf moralischer Ebene ist dies aber ein Armutszeugnis.

Seit dem beim VfB ganz ungeniert die „Wahrheit gebeugt“, also gelogen wird, scheint es mit der Moral sowieso nicht mehr ganz so weit her zu sein. Und dabei habe zumindest ich an den größten Verein in Baden-Württemberg mit einem entsprechenden gesellschaftlichen Auftrag eine höhere Anforderung an Moral, als sie hier immer wieder zutage tritt. Auch das entfremdet mich.

In jedem ähnlich großen Unternehmen der freien Wirtschaft bleiben die vielen Fehlentscheidungen und Fehler nicht ohne Konsequenzen. Konsequenzen inhaltlicher aber auch personeller Natur.

Nicht so beim VfB: Hier versteckt man sich hinter der notwendigen Entlassung Reschkes, der Verpflichtung von Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat und man munkelt jetzt von der längst überfälligen Verpflichtung eines Vorstandsvorsitzenden. Der Rest aber macht einfach so weiter wie bisher. Oder ist es schon eine Aufarbeitung immer wieder zu betonen, dass alle letztendlich negativen Entscheidungen einstimmig beschlossen wurden, alles Positive aber selbstverständlich unmittelbar auf den Präsidenten zurückzuführen ist? Wo soll da eine nachhaltige Verbesserung herkommen? Dies geht nur, wenn tatsächlich ein umfassender Umbruch stattfindet. Der steht aktuell beim VfB noch aus, kann aber heute durch das Votum von uns Mitgliedern endgültig eingeleitet werden.

Ich möchte mich daher heute vor allem auch an Euch wenden, liebe Mitglieder. WIR haben es in der Hand hier für Veränderung zu sorgen. Aber nur, wenn wir uns engagieren, offen miteinander sprechen und in der Sache hart, aber sachlich diskutieren. Keine Gräben aufreißen, sondern gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft des VfB arbeiten. Lasst uns von unserem Recht gebrauch machen und diejenigen in Ämter wählen, die das beste Konzept für die Zukunft des Vereins haben. Die wirklich vereinen und nicht spalten. Die einen echten Dialog wollen. Zu denen wir alle wieder Vertrauen haben können. Lasst uns alle UNSEREN VfB wieder zurückholen!

Danke.


Die Rede ist nun auch als Video verfügbar. Diese Wortmeldung wird hier im Video auch dokumentiert, um sie für alle bis zum Nachholtermin der Mitgliederversammlung zugänglich zu machen (zum Beispiel für Mitglieder, die zum ursprünglichen Termin nicht an der Versammlung teilnehmen konnten)

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