Am Scheideweg

Die ikonische Szene aus dem Film „Matrix“, in der sich die Figur Neo zwischen zwei Pillen entscheiden muss, ist mittlerweile als Gemeingut in die Kultur eingegangen und steht symbolisch für eine schwierige Grundsatzentscheidung, die getroffen werden muss. Auch der VfB Stuttgart steht gerade vor wichtigen Entscheidungen, auf der die Weichen für die Zukunft des Vereins gestellt werden. Nimmt er also die rote (DUNKELROT!!) oder die blaue (igitt!) Pille?

Dabei beziehe ich mich nicht auf den Sport, hier hat man Entscheidungen bereits getroffen, setzt diese um und ist – wie wahrscheinlich wir alle – sehr gespannt, ob dies in absehbarer Zeit Früchte tragen wird. Ich beziehe das genannte der Bild der beiden Pillen auf den Weg, den der VfB als Verein intern aber auch gemeinsam mit seinen Mitgliedern und Fans einschlagen will. Im Umgang mit den Mitgliedern, in der Kommunikation, der notwendigen und möglichen Transparenz. Aktuell scheint der Club aus Cannstatt mal nach der einen, mal nach der anderen Pille zu greifen, sich aber noch nicht so richtig sicher zu sein, welche es denn nun sein soll.

Es ist illusorisch zu erwarten, dass sich der VfB nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich innerhalb kürzester Zeit komplett wandelt und plötzlich alles „richtig“ macht. Die letzten Jahre haben vermutlich tiefe Spuren hinterlassen: in Strukturen, Herangehensweisen und vielleicht auch im generellen Arbeitsumfeld. Wenn hier nun Änderungen herbeigeführt werden, dann ist dies ein nicht zu unterschätzender Prozess den das Unternehmen durchlaufen muss, in dem viel falsch gemacht werden kann und deswegen im Sinne des VfB besondere Vorsicht geboten ist (nicht umsonst ist „Change-Management“ mittlerweile eine eigene Disziplin in der Beratung und Literatur). Momentan befinden sich die Cannstatter aber in einer Zwischenphase, in der man noch nicht weiß, in welche Richtung es gehen soll.

Es gibt durchaus positive Beispiele und kleine Zeichen der Veränderung. So weiß ich von vielen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Fans und Mitgliedern, die von Seiten des VfB geführt werden (in denen nach Feedback gefragt und Vorschläge und Kritik aufgenommen werden). Die Karawane Cannstatt wird vom VfB auf den eigenen Kanälen kommuniziert, ohne dies für Werbung zu nutzen. Thomas Hitzlsperger ist wieder aktiver im Dialog z.B. auf Twitter – zumindest ist das mein Gefühl. Insgesamt scheint man offener gegenüber Input von Außen zu sein.

Auf der anderen Seite stehen weiterhin Aussagen, die schwer einzuordnen sind, insgesamt aber kein gutes Gefühl hinterlassen. Zuvorderst sei hier die fortlaufende Geschichte „Quattrex feat. DFL“ genannt. Mit Spannung wird aber auch das Ergebnis der Gutachter erwartet, die die WLAN-Panne untersucht haben. Darüberhinaus ist der Rücktritt Dietrichs natürlich ein wichtiger Schritt, darf aber nicht das Ende sein. Es gilt weiterhin die Strukturen und Entscheidungswege kritisch zu hinterfragen, Transparenz herzustellen und alle im Umfeld des VfB mitzunehmen. Spätestens die im nächsten Jahr anstehenden Personalentscheidungen werden hier als Lackmustest dienen.

Eines ist auf jeden Fall klar: Insbesondere nach den Ereignissen der vergangenen Wochen, eigentlich aber der letzten Jahre, werden wir Mitglieder sehr genau darauf schauen, wie sich der VfB entwickeln wird. Das ist ein Versprechen! Keine Drohung.


Was ich vom VfB aber uneingeschränkt hervorragend finde sind die sichtbarer werdenden Zeichen im Bemühen um Teilhabe behinderter Menschen an den Vereinsaktivitäten. Nicht nur wurden zum Beispiel auch auf der Mitgliederversammlung Gebärdendolmetscher angeboten, es gibt jetzt auch einen einheitlichen Ticketpreis für Menschen mit Handicap. Super!

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