Der Weg zur VIERERKETTE

Am 28. November findet die zweite Ausgabe der „VIERERKETTE LIVE“ statt. Dann werden wir mit den beiden Präsidentschaftskandidaten des VfB Stuttgart e.V. Claus Vogt und Christian Riethmüller sprechen und uns mit deren Ideen und Konzepten auseinandersetzen. Diese Veranstaltung ist nicht nur für uns Podcaster*innen, sondern auch für den VfB ein großer Schritt. Und soweit ich weiß auch bisher einmalig im deutschen Profifußball.

In diesem Blog-Beitrag möchte ich etwas nachzeichnen, wie es zu dieser VIERERKETTE gekommen ist und was wir uns von dieser Veranstaltung erhoffen. Dazu müssen wir aber ein paar Monate zurückgehen, tatsächlich sind es zwei Ereignisse, die aus meiner Sicht nicht unwesentlich für diese Premiere waren.

Zunächst hatten wir in der NACHSPIELZEIT im Vorfeld der Mitgliederversammlung das erste Mal die Gelegenheit, mit Vertretern eines „offiziellen Organs“ des VfB eine Folge aufzunehmen. Rainer Weninger und Christof Seeger sprachen mit uns in Folge 17 über die Aufgaben und bisherigen Projekte des Vereinsbeirates, aber natürlich auch über die schon lange schwelende Kritik am VfB und dessen Präsidenten im Speziellen (eine Woche zuvor hatten wir mit Danny vom Commando Cannstatt gesprochen). Für den VfB war diese Folge glaube ich in gewisser Weise ein Experiment, dass letztendlich aber zur Zufriedenheit aller verlaufen ist.

Dann war da natürlich noch die Mitgliederversammlung am 14. Juli. Eine Versammlung, die nicht nur in einer schon vorher sehr aufgeheizten Stimmung stattfand, sondern mit dem Antrag auf Abwahl des Präsidenten zusätzlich einiges an Konfliktpotential bot. Jeder wusste aber im Vorfeld, dass die Hürde zur Abwahl mit der Zustimmung von mindestens 75% der Mitglieder extrem hoch lag. Dennoch entwickelte sich insbesondere in der allgemeinen Aussprache eine Dynamik, die das Pendel zumindest gefühl immer weiter in Richtung dieser notwendigen Mehrheit kippen ließ. Der Rest ist Geschichte: Nach mehrfachen Versuchen musste die MV schließlich aufgrund technischer Probleme abgebrochen werden, es konnten keine Abstimmungen stattfinden. So werden wir auch nie erfahren, ob die Gegner Wolfang Dietrichs tatsächlich die 75% erreicht hätten.

Klar war aber schon am Abend nach der MV, dass es so nicht weitergehen würde. Zu sehr war Wolfgang Dietrich angezählt, auch wenn er noch hatte verlauten lassen, dass er bei jedem Ergebnis unter der notwendigen Mehrheit weitermachen würde. Ich denke es war aber allen beteiligen klar, dass sich die Stimmung tatsächlich auf breiter Basis gegen ihn gedreht hatte und so war sein Rücktritt am Folgetag dann nur die logische Konsequenz.

Im Nachhinein fast noch bemerkenswerter war aber die Tatsache, dass sich im Vorfeld der Mitgliederversammlung über die unterschiedlichsten Medien wie zum Beispiel die diversen Blogs und Podcasts eine „wache Gegenöffentlichkeit“ (Oliver Fritsch auf Twitter) entwickelt hatte. Eine Gegenöffentlichkeit, die (für manchen beim VfB überraschend) durchaus Reichweite erzielen und damit auch Einfluß auf die Meinungsbildung nehmen konnte. Besonders hervorzuheben war, dass die Auseinandersetzung mit dem VfB und Wolfgang Dietrich ganz überwiegend sachlich und argumentativ geschah und niemals unter die Gürtellinie ging (so wie im Übrigen auch alle Reden der Dietrich-Gegner auf der MV). Vorbei waren ganz offensichtlich die Zeiten, in denen man aus Sicht des VfB die Hoheit über die Kanäle (Zeitungen und TV) hatte und so steuern konnte, welche Themen in der Öffentlichkeit diskutiert wurden und werden. Eine Erkenntnis, die sich sicherlich nicht erst mit dem Rücktritt Dietrichs eingestellt hat, die aber in den durchaus unruhigen Tagen nach der MV an Gewicht gewonnen hat.

Und so kam ich relativ schnell nach der MV mit Vereinsbeirat Rainer Weninger ins Gespräch (er war auch schon bei der ersten VIERERKETTE LIVE gewesen) und es wurden erste Ideen zu einer gemeinsamen Veranstaltung ausgetausch. Hervorgehoben werden muss an dieser Stelle, dass der Vereinsbeirat in dieser Phase durchaus aktiv war und das Gespräch mit mir, aber auch anderen, gesucht hat.

Nachdem sehr schnell klar war, dass es für die kommende Wahl zwei Kandidaten geben wird, war somit Thema für die VIERERKETTE auch und wir Podcaster*innen mussten auch nicht lange überlegen und haben dem VfB zugesagt, diese Veranstaltung umzusetzen. Nachdem von Seiten des Vereinsbeirates parallel auch die Fühler in Richtung des VfB-Fanprojekts ausgestreckt wurden (und das Fanprojekt schon Schauplatz der ersten VIERERKETTE LIVE gewesen war), haben wir uns für dieses Projekt zusammengeschlossen.

Nun ist der VfB ein großer Verein und besitzt eine AG, die mit Millionenumsätzen auch nicht gerade ein kleines Unternehmen ist. Soll heißen: Auch in diesem Fall waren dann doch einige Prozesse und Kommunikationswege einzuhalten, die Veranstaltung musste von Seiten des VfB freigegeben werden. Dies war dann auch tatsächlich der erste Punkt, der schwer einzuschätzen und somit Potential für ein Scheitern des ganzen hatte. Schließlich war man es in der Vergangenheit nicht unbedingt gewohnt, dass der VfB sich in dieser Weise in Richtung nicht-journalistischer Angebote öffnet (Gründe dafür siehe oben beim Punkt „Hoheit über die Kanäle“). Und so waren wir durchaus gespannt, wie die verschiedenen Gremien und Abteilungen diesen Vorschlag aufnehmen würden. Denn auch wenn unsere Ansprechpartner im Vereinsbeirat durchaus motiviert waren, hätte andere Abteilungen ein Veto einlegen können. Dem war nicht so, die Veranstaltung findet nun statt.

Eine Grundbedingung unsererseits war von Anfang an, dass wir sowohl in Inhalt als auch Form völlig freie Hand haben. Es darf keine Themenvorgaben geben, wir suchen die Location aus und konzipieren den Abend, der VfB stellt im Prinzip „nur“ die beiden Kandidaten. Auch dem hat der VfB zugestimmt (die Vereinsbeiräte Rainer Weninger und André Bühler waren und sind große Fürsprecher dieses Ansatzes) und hält sich seitdem auch zu 100% daran. Wir sind letztendlich sogar soweit gegangen, so gut wie komplett auf Ressourcen beim VfB zu verzichten (z.B. im Bereich der Veranstaltungstechnik) und bewahren uns damit in allen Aspekten unsere Unabhängigkeit.

Für die Fan-Podcasts und -Blogs ist die VIERERKETTE natürlich eine große Chance aber auch eine Anerkennung für die Arbeit der letzten Jahre. Ich persönlich bin sehr stolz darauf mit so vielen tollen Menschen an diesem Projekt arbeiten zu dürfen! Wir wollen beide Kandidaten in unsere Mitte holen, ungefiltert Fragen und auch mal inhaltlich unbequem sein. Kein Hochglanzveranstaltung wie „VfB im Dialog“, sondern ehrlich von Fans für Fans.

Natürlich gewinnt aber auch der VfB damit. Seit der MV haben sich einige Dinge im Verein geändert, die neue Offenheit gegenüber Fans und Mitgliedern im Rahmen von „Dunkelroten Tischen“ oder Ständen des Vereinsbeirates bei Heimspielen gehört auf jeden Fall dazu. Natürlich ist dies nach all den Jahren noch ein zartes Pflänzchen, dass sowohl vereinsintern wachsen aber auch in Richtung des Umfeldes Früchte tragen muss. Und der Weg dahin ist sicherlich nicht leicht und kann auch ein weiter sein. Die VIERERKETTE ist in meinen Augen aber auf jeden Fall ein guter Schritt, danach muss es aber natürlich in die gleiche Richtung weitergehen. Ich kann für mich – ich denke aber auch für alle Beteiligten – versprechen, dass wir auch in Zukunft sehr genau darauf schauen werden, was beim VfB (egal ob Verein oder AG) so vor sich geht. Der neue Präsident wird viele Aufgaben angehen müssen, die Einbindung der Mitglieder und Fans und eine ehrliche und authentische Kommunikation sind dabei gewiss nicht die kleinsten. Aber das können wir dann ja am 28.11. besprechen …


Noch ein Hinweis in eigener Sache: Wie ihr (hoffentlich) wisst konnte man die Tickets für die Veranstaltung kostenlos beziehen. Dafür würden wir uns aber sehr freuen, wenn Ihr an dem Abend einen Betrag Eurer Wahl für Dennis spenden würdet (hier kann man alle wichtigen Infos zu ihm und seiner Krankheit bekommen). Jeder Euro gibt Dennis und seiner Familie nicht nur Mut, sondern bringt ihn auch einen Schritt näher an die lebenswichtige Operation. Wir danken Euch schon jetzt im Voraus!